Zebramangusten
Mungos mungo
 

Sind das Frettchen?“ – diese Frage höre ich immer wieder, wenn Besucher vor dem Gehege meiner Zwergmungo stehen. Tatsächlich weisen Zwergmungos gewisse äußerliche Ähnlichkeiten mit dem domestizierten Europäischer Iltis auf, von dem das Frettchen abstammt. Verwandtschaftlich stehen sich beide Arten jedoch nur entfernt nahe.

Zwergmungos gehören nicht zur Familie der Marder, die innerhalb der Hundeartigen eingeordnet wird, sondern zur Familie der Mangusten, welche zu den Katzenartigen zählt. Lange Zeit wurden die Mangusten gemeinsam mit den Schleichkatzen zur Familie der Schleichkatzen gerechnet, bevor sie als eigenständige Familie anerkannt und in zwei Unterfamilien gegliedert wurden.

Die Zwergmungos gehören zur Unterfamilie der afroasiatischen Mangusten (Herpestinae), die 14 Gattungen mit insgesamt 32 Arten umfasst. Zu den bekanntesten Vertretern dieser Unterfamilie zählen das Erdmännchen sowie die Zebramanguste.

Der Zwergmungo, auch Südliche Zwergmanguste genannt, ist neben einer weiteren Art Vertreter der Gattung Helogale. Mit seinen drei Unterarten ist er weiträumig über Afrika verbreitet: von Südafrika (H. p. parvula) über Zentralafrika (H. p. varia) bis nach Ostafrika (H. p. undulata).

Der Zwergmungo ist der kleinsten Vertreter der Mangusten. Er erreicht eine Kopfrumpflänge von nur 25 cm; hinzu kommen 20 cm Schwanz. Die Fellfarbe ist, je Unterart, braunrot bis grau, wobei der Schwanz etwas dunkler erscheint. Mit einem Gewicht von durchschnittlich 330 g sind die männlichen Zwergmungos etwas schwerer als die Weibchen, die ein Gewicht von ca. 315 g erreichen. 
Die Gestalt der kleinen Mungos ist marderartig, ihr Kopf ist jedoch kleiner und besitzt eine spitzere Schnauze, ihre Nase ist unpigmentiert. Der Kopf der Weibchen ist etwas kleiner als der Kopf der männlichen Mungos. Mit ihren rundlichen Ohren, deren Gehörgang die Mungos mittels eines Knorpellappens verschließen können, sind sie in der Lage auch kleinste Geräusche wahrzunehmen. Das Gebiss der kleinen Mungos weist eine Spezialisierung auf die Hauptnahrungsquelle Insekten auf. Neben Termiten, Grillen, Käfern und deren Larven werden auch Skorpione nicht verschmäht. Aber auch Eidechsen, kleine Nagetiere und Vögel, ja selbst Eier und Früchte gehören zum Speisplan des Zwergmungos. Berühmt geworden ist er jedoch durch das Töten von Schlangen, die ebenfalls zu seiner Beute zählen. Der Ruf der Mungos als „Schlangentöter“ war schon Rudyard Kipling, der ihnen durch die Figur des Riki Tiki Tavi in seiner Erzählung „Das Dschungelbuch“ ein literarisches Denkmal setzte. Bei der Schlangenjagd begeben sich die geschickten Jäger immer wieder in den Schlagbereich des Reptils, um beim Zuschlagen der Schlange blitzschnell zur Seite zu springen. Auf diese Weise wird das Reptil ermüdet bis seine Bewegungen langsamer werden. Zieht die Schlange dann nach neuerlichem Zustoßen den Kopf zurück, packt der Zwergmungo sie am Nacken und tötet sie mit einem kräftigen Biss. Entgegen der Legenden sind Mungos nicht immun gegen das Gift der Schlangen, sie vertragen jedoch die 6fache Menge, die für Kaninchen tödlich wäre. Aus seiner Nahrung deckt der Zwergmungo auch seinen Wasserbedarf, so dass er ohne zu trinken überleben kann. Findet er jedoch eine Wasserstelle wird diese auch genutzt.

 

 

Zwergmungos sind äußerst gesellige Tiere mit einem stark ausgeprägten Sozialverhalten. Eine Gruppe kann aus bis zu 40 Individuen bestehen, wobei die durchschnittliche Gruppengröße meist zwischen 10 und 12 Tieren liegt.

Geführt wird die Gruppe in einem matriarchalischen Sozialverband von einem ranghöchsten Weibchen und seinem Partner. In der Regel sorgt ausschließlich dieses Alpha-Paar für Nachwuchs. Zur Gruppe gehören außerdem die Jungtiere verschiedener Jahrgänge sowie gelegentlich einzelne fremde Zwergmungos. Junge Männchen werden selbst nach Erreichen der Geschlechtsreife meist weiterhin innerhalb der Gruppe geduldet. Stirbt das Alpha-Weibchen, löst sich der Familienverband häufig auf, und die einzelnen Tiere wandern ab, um neue Gruppen zu bilden.

Der Zusammenhalt innerhalb der Gruppe wird durch zahlreiche Lautäußerungen gefestigt. Während der Nahrungssuche oder gemeinsamer Wanderungen geben die Tiere trillernde und zwitschernde Kontaktlaute von sich. Zudem stellen die Gruppen bei ihren täglichen Aktivitäten stets ein oder zwei Tiere als Wächter ab, die ihre Umgebung aufmerksam beobachten und bei Gefahr Alarm schlagen. Zu den natürlichen Feinden zählen unter anderem Adler, Geier, Habichte, Schakale und Geparde. Die Wächter wechseln sich regelmäßig ab und warnen die Gruppe bei drohender Gefahr durch schrille Pfiffe oder bellende Laute. Dabei reagieren sie je nach Art der Bedrohung unterschiedlich und können offenbar zwischen gefährlichen und harmlosen Tieren unterscheiden.

Befinden sich Jungtiere in der Gruppe, genießen diese einen besonderen Schutzstatus. Mit Ausnahme des Alpha-Paares lassen alle Gruppenmitglieder den Jungtieren beim Fressen den Vortritt. Ab einem Alter von etwa drei bis vier Wochen werden den Jungtieren lebende Kleinsäuger gebracht, damit sie ihr Jagdverhalten trainieren können. Die übrigen Gruppenmitglieder beobachten diese ersten Jagdversuche aufmerksam. Entkommt die Beute, wird sie häufig von erwachsenen Tieren erneut eingefangen und den Jungtieren nochmals vorgelegt.

Als Grundnahrung für Zwergmungo empfiehlt sich ein abwechslungsreiches Angebot an Insekten, da dies ihrem natürlichen Nahrungsspektrum entspricht. Besonders gerne gefressen werden Heuschrecken, Zoophobas und Schaben. Ergänzend können Katzenfutter, Babymäuse oder Eintagsküken angeboten werden. Bei Letzteren empfiehlt es sich jedoch, den Dottersack vor der Verfütterung zu entfernen, da es andernfalls schnell zu starken Verschmutzungen im Gehege kommen kann. Nicht gefressene Küken sollten spätestens nach zwölf Stunden entfernt werden, um das Risiko einer Salmonellose zu vermeiden.

Eine besondere Bereicherung stellen gekochte Eier dar. Werden diese mitsamt der Schale angeboten, versuchen die Tiere häufig, sie durch Schleudern gegen Steine oder andere harte Gegenstände zu öffnen. Dabei zeigt sich eindrucksvoll ihr Geschick und ihre Problemlösungsfähigkeit.

Grundsätzlich sollte bei der Ernährung stets bedacht werden, dass Zwergmungos Raubtiere sind. Die Hauptnahrung besteht daher aus Eintagsküken, Mäusen, Ratten sowie Rind- und Geflügelfleisch und weiteren geeigneten Futtertieren. Auch lebende Insekten sowie rohe oder gekochte Hühner- und Wachteleier werden gerne angenommen.

Zusätzlich sollte täglich frisches Obst und Gemüse in klein geschnittener Form angeboten werden. Geeignet sind nahezu alle handelsüblichen Sorten, die vor der Verfütterung gründlich gewaschen werden sollten. Auf Avocados und Auberginen sollte jedoch verzichtet werden. Kartoffeln dürfen ausschließlich gekocht verfüttert werden. Selbstverständlich muss den Tieren jederzeit frisches Trinkwasser zur Verfügung stehen.

Ernährung

Lebensweise

Zucht

I

Die Zucht von Zwergmungo bereitet bei geeigneter Haltung und Pflege in der Regel nur wenige Schwierigkeiten. Spätestens im Alter von etwa drei Jahren erreichen die Tiere die Geschlechtsreife und sorgen für Nachwuchs. Innerhalb einer Gruppe wird jedoch gewöhnlich ausschließlich das ranghöchste Weibchen trächtig.

Nach einer Tragzeit von etwa 49 bis 54 Tagen bringt das Weibchen durchschnittlich vier Jungtiere zur Welt. Die Geburt erfolgt in einer zuvor ausgewählten Wurfhöhle, die in der Regel nicht ausgepolstert wird. Gegen Ende der Trächtigkeit nimmt der Bauchumfang des Weibchens stark zu, sodass es sich nur noch eingeschränkt bewegen kann. In dieser Phase wird es von rangniederen Gruppenmitgliedern mit Nahrung versorgt.

Die Jungtiere kommen blind zur Welt. Etwa ab dem zehnten Lebenstag öffnen sich die Augen, und die Jungen zeigen nun einen rostroten bis gräulichen Flaum. Bereits im Alter von etwa zwei Wochen werden sie von der Gruppe auf ihren täglichen Aktivitäten mitgeführt. Bei Gefahr – etwa bei einer Kontrolle der Nisthöhle – nimmt häufig jedes Gruppenmitglied ein Jungtier auf und trägt es in Sicherheit.

Mit drei bis vier Wochen unternehmen die Jungtiere ihre ersten eigenen Schritte. Zu diesem Zeitpunkt bringen ihnen rangniedere Tiere bereits kleine Futtertiere, an denen sie ihre Zähne und ihr Jagdverhalten erproben können. Gesäugt werden die Jungen jedoch noch bis etwa zur sechsten Lebenswoche. Danach sind sie weitgehend selbstständig.

Trotzdem sollten die Jungtiere zunächst weiterhin in der Gruppe verbleiben, um eine vollständige soziale Entwicklung zu gewährleisten. Eine Trennung von der Gruppe sollte frühestens im Alter von drei Monaten erfolgen. Werden junge Zwergmungos anschließend nicht mit älteren, ranghöheren Tieren zusammengehalten, können sie bereits im Alter von vier bis fünf Monaten geschlechtsreif werden. Verbleiben sie dagegen als rangniedere Tiere innerhalb einer bestehenden Gruppe, wird ihre Geschlechtsreife häufig bis zu einem Alter von etwa drei Jahren unterdrückt.

Wer Zwergmungo hält, wird kaum Langeweile erleben. Die größte Herausforderung in der Haltung dieser Tiere ist meist der Bau eines geeigneten Geheges, denn Zwergmungos sind wahre Ausbruchskünstler. Ständig in Bewegung, entgeht ihrer Neugier kaum eine noch so kleine Veränderung in ihrer Umgebung. Nachzuchten werden zudem häufig schnell zutraulich und zeigen sich ausgesprochen lernfähig. Dennoch darf man nie vergessen, dass Zwergmungos keine domestizierten Haustiere, sondern Wildtiere sind.

Das faszinierende Sozialverhalten der kleinen Mangusten lässt sich nur beobachten, wenn mindestens zwei Tiere gemeinsam gehalten werden. Eine Einzelhaltung ist strikt abzulehnen, da sie dem ausgeprägten Bedürfnis nach sozialen Kontakten nicht gerecht wird. Erst in Gruppen von mindestens vier Tieren zeigt sich das komplexe Sozialleben mit seiner typischen Aufgabenverteilung innerhalb des Verbandes.

Die Größe des Geheges sollte sich an der enormen Bewegungsfreude und Neugier der Tiere orientieren. Ideal ist eine vollständig geschlossene Außenvoliere mit einer Grundfläche von mindestens 15 m² für eine Familiengruppe. Unverzichtbar ist außerdem ein beheizbarer Innenbereich mit Zimmertemperatur, der mindestens 2 m² groß sein sollte – großzügigere Maße sind jedoch stets vorzuziehen. Zusätzlich sollten Wärmelampen vorhanden sein, da Zwergmungos diese intensiv nutzen. In zu kleinen oder reizarmen Gehegen kann es dagegen zu Verhaltensstörungen wie Stereotypien kommen.

Als Bodengrund eignen sich Sand, Hobelspäne oder Rindenmulch. Wichtig ist eine mindestens 15 cm hohe Schicht, damit die Tiere ihrem natürlichen Scharrverhalten nachgehen können. Zur Einrichtung gehören dicke Äste, Baumstämme, Wurzeln, Steine sowie ungiftige lebende Pflanzen. Besonders beliebt sind außerdem künstliche Tunnel- und Höhlensysteme. Da Zwergmungos ihre Schlafplätze regelmäßig wechseln, sollten mehrere Rückzugsmöglichkeiten vorhanden sein. Eine einzige Höhle reicht daher nicht aus.

Sehr gerne angenommen werden großzügige Nistkästen, die ausreichend Platz für die gesamte Gruppe bieten. Bewährt haben sich beispielsweise Papageiennistkästen im Querformat oder ausgehöhlte Baumstämme mit Einschlupföffnung. Auch große, umgedrehte Tonschalen eignen sich hervorragend als Unterschlupf. Die Dächer solcher Höhlen dienen den Wachposten häufig gleichzeitig als Aussichtspunkt.

Da Zwergmungos ausgesprochen wärmeliebend sind, empfiehlt sich die Installation mehrerer Wärmequellen. Haben die Tiere die Wahl, bevorzugen sie deutlich Wärmelampen, während Heizmatten häufig kaum genutzt werden. Tagsüber lässt sich oft die gesamte Gruppe beim Sonnenbaden beobachten. Bereits Jungtiere im Alter von etwa zehn bis vierzehn Tagen werden dazu aus dem Bau getragen. Sie liegen dann entweder auf dem Bauch des Muttertieres, das auf dem Rücken ruht, oder schmiegen sich seitlich an das Weibchen an.

Wie eng die sozialen Bindungen innerhalb der Gruppe sind, zeigt sich daran, dass nahezu alle Aktivitäten gemeinsam stattfinden – sei es Sonnenbaden, Spielen oder Fressen. Neben ihrer großen Neugier besitzen Zwergmungos auch einen ausgeprägten Spieltrieb. So kann sich eine ganze Gruppe über längere Zeit mit einem Ball beschäftigen, der immer wieder hochgeworfen wird, um ihn anschließend gemeinsam zu verfolgen.

Neugier und Spielverhalten sollten daher unbedingt bei der Gestaltung des Geheges berücksichtigt werden. Mit Korkröhren, hohlen Baumstämmen, großen Steinen und kräftigen Ästen lässt sich die Anlage abwechslungsreich strukturieren, sodass bei den intelligenten Tieren keine Langeweile aufkommt. Auch regelmäßiges Umgestalten des Geheges sowie geeignetes Beschäftigungsmaterial tragen wesentlich zum Wohlbefinden der Tiere bei.

Der Zwergmungo - die kleinste Manguste

Haltung

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