Weißfußmaus

Weißfußmaus
Peromyscus spec. 

Haltung - Fütterung - Zucht
Die Weißfußmaus gehört zu den Neuweltmäusen (Hesperomyini), die in Amerika von Alaska bis Patagonien verbreitet sind und dort die Stellung der in Amerika ursprünglich ganz fehlen-den Arten der Echten Mäuse inne haben. Eine ihrer bekanntesten Gattungen sind die Weiß-fuß- oder Hirschmäuse (Peromyscus) mit etwa 50 Arten, die ihren Namen durch die weißen Füße und ihre überwiegend rötliche Rückenfärbung bekommen haben, die Bauchseite ist bei-ge oder grau-beige. Weißfußmäuse sind 110-150mm lang (Körperlänge), 40-60 mm beträgt die Schwanzlänge, das Körpergewicht liegt meist bei 10-15g (freilebende Exemplare).
Im natürlichen Verbreitungsgebiet gibt es zwei Erscheinungsformen, die agouti-farbene Form im Inland (von der die bei uns zur Zeit erhältlichen Weißfußmäuse offensichtlich abstammen) und die deutlich hellere am Strand heimische Form, bei der man die typische Zweifarbigkeit des Schwanzes, Oberseite agouti, Unterseite hell, kaum noch oder gar nicht mehr erkennen kann, da der Schwanz beinahe einheitlich hell ist.

Die bei uns übliche Bezeichnung „Weißfußmaus“ für Peromyscus polionotus ist etwas irre-führend, da in Amerika, dem Heimatland unserer Weißfußmäuse, die gleiche Art als „Beach-maus“ = Strandmaus oder auch Oldfield Deermouse bezeichnet wird und die eigentliche Weißfußmaus (White-footed mouse) die Artbezeichnung Peromyscus leucopus trägt. Um aber keine Verwirrung zu stiften, ist im folgenden Text mit Weißfußmaus Peromyscus polionotus gemeint. Neben der Weißfußmaus ist die einzige weitere in Kreisen der Halter exotischer Mäuse verbreitete Peromyscus-Art die Kaktusmaus (Peromyscus eremicus).
Haltung
Weißfußmäuse sind wie die Vorfahren unserer Farbmäuse Bodenbewohner mit Klettertalent. Sie laufen sehr flink, sind bewegungsfreudig und springen gut. Die Haltung auf so genannten Mäusetischen ist nicht möglich, weil Weißfüße keine Hemmung haben, auch aus größeren Höhen zu springen.

Geeignet sind Terrarien, möglichst mit Lüftungsblech beginnend in 20cm Höhe (wegen der Einstreuhöhe) oder Aquarien ab einer Größe 80x30x35 cm, wobei gilt: je größer desto besser! Wichtig ist neben den Maßen aber auch die Einrichtung, sie sollte gut strukturiert und ab-wechslungsreich sein. Der Einbau einer Etage erweitert die Fläche und ist ein guter Platz für eine Sandschale. Grundvoraussetzung ist eine Einstreuschicht von mind. 15 cm oder höher. Als Einstreu geeignet ist Kleintierstreu vermischt mit Stroh und Heu, damit die Gänge, die sich die flinken Nager anlegen, Stabilität erhalten. Auf die Streu kann man noch längst hal-bierte Korkröhren legen, unter denen sich die Weißfüße gern aufhalten, als oberste Schicht empfiehlt sich eine dickere Lage Heu, als Ersatz für die Grasnarbe in der sich die Weißfüße in freier Natur ihre Gänge graben. Komplette Korkröhren und Korkäste sowie mehrere Häuser als Unterschlupfe sollten ebenfalls zum Inventar gehören. Weißfüße leben zwar nicht in grö-ßeren Höhen, aber sie klettern gern über die Äste, was bei der Gestaltung des Geheges beach-tet werden sollte.

Die oben erwähnte Sandschale dient nicht der Fellpflege, ist aber ein praktischer Ort um Mehlwürmer und andere Insekten anzubieten, die dann nicht entkommen können. Meine Weißfußmäuse urinierten gern in ihre Futternäpfe, vor allem in den Frischfutternapf, seither wird das Frischfutter verteilt, das Körnerfutter ebenfalls, was auch eine sinnvolle Beschäfti-gung der Tiere darstellt. Eine Zwischenlösung war die Platzierung der Näpfe in einer flacheren Sandschale, die dann als Toilette benutzt wurde. Der Sand muß dabei alle drei Tage (je nach Besatzdichte) ausgetauscht werden, dadurch bleibt jedoch der Rest des Beckens lange sauber.
Ernährung
Als Grundfutter ist eine Kleinsaatmischung geeignet, bestehend aus etwa 60% mehlhaltiger und 40 % ölhaltiger Saat. Meine Weißfußmäuse erhalten dem entsprechend eine Eigenmi-schung aus Glanz, Hirsemischung, Buchweizen, Dinkel und Hafer, verschiedenen Kornflo-cken, Kardi, Mariendistelsaat, Perilla, roten Rübsen (Raps), Negersaat und Wildsaaten sowie Knäuelgrassaat.

An Frischfutter eignet sich z.B. Mohrrübe, Gurke, ab und an wenig Apfel, Petersilienwurzel, Löwenzahn (gern mit Wurzel), Vogelmiere und Gollywoog.

Meiner Ansicht nach benötigen Weißfußmäuse einen weit höheren Anteil tierischer Nahrung als andere Nager oder gar Farbmäuse, d.h. ein wichtiger Bestandteil der Ernährung meiner Weißfußmäuse sind Insekten in Form von Mehlwürmern, Grillen, Heuschrecken und dem-nächst auch Schaben. Da in der Natur auch nicht jeden Tag alle Bestandteile des Nahrungs-spektrums zur Verfügung steht, bekommen die Tiere alle zwei bis drei Tage je eine große Heuschrecke, 3-5 Mehlwürmer oder vergleichbares. In der Literatur habe ich für Peromyscus leucopus die Angabe eines Anteils von 30% tierischer Nahrung gefunden, was sich mit meinen Erfahrungen deckt.

Da zumindest meine Weißfußmäuse bei Wahlmöglichkeit einen Wassernapf der Trinkflasche vorziehen, biete ich das Wasser in Näpfen an. In jedem Fall ist eine Wasserquelle für die Tiere Bedingung.


Die Zucht

Weißfußmäuse sind in der Nachzucht recht unberechenbar. Manche Gruppen ziehen stetig nach, andere, die unter den gleichen Bedingungen gehalten werden ziehen gar nicht nach oder brauchen recht lange bis zum ersten Wurf. Die größte Erfolgsquote liegt nach meiner Erfah-rung in der Haltung mehrerer Weibchen mit einem Bock, die Tiere die nur paarweise zusam-menleben ziehen seltener oder unregelmäßig nach. Mehrere Böcke können friedlich in der Gruppe leben, vor allem wenn es Nachzuchten der Gruppe sind, allerdings halte ich es für sicherer nur einen Bock dauerhaft in der Gruppe zu halten. Wer gezielt züchten möchte, wird zur Vermeidung von Inzucht versuchen möglichst unverwandte Paare/Gruppen zusammenzu-stellen und den Nachwuchs regelmäßig aus der Gruppe nehmen.

Es ist allerdings nicht einfach wirklich unverwandte Tiere zu finden, da es bislang nur wenige Importe gab und die Verfolgung der unterschiedlichen Zuchtlinien beinahe unmöglich ist, wenn man ihren Ursprung nicht kennt.

Die Jungen werden von allen Gruppenmitgliedern betreut, beschützt und gewärmt. Dabei sind Weißfußmäuse so fürsorglich, dass sie in einem Notfall sogar zwei fremde Babys aus einer anderen Gruppe ohne geruchliche Angleichung sofort ins Nest zu ihren Jungen trugen und problemlos aufzogen.

Die Tragzeit beträgt ca. 21 – 23 Tage, die Wurfgröße 3 – 5 Jungtiere, der erste Wurf kann auch aus nur einem Jungtier bestehen. Im Alter von drei bis vier Wochen verlassen die Jungen von allein immer öfter das Nest, unternehmen Streifzüge durchs Becken und suchen sich selbst ihre Körner, Frischfutter und auch gleich Insekten. Theoretisch können diie Jungtiere in der Gruppe bleiben, entscheidend ist die eigene züchterische Absicht.

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