Wickelbär

Wickelbär
Potos flavus

Haltung - Fütterung - Zucht
Das Aussehen des Wickelbären erinnert auf den ersten Blick eher an einen Primaten bzw. Lemuren als an einen Kleinbären. Auch der Bewegungsablauf ist affenähnlich. Das auffälligste Merkmal des Kinkajou, wie er auch genannt wird, ist aber sicherlich sein Kopf, der komplett dem Kindchenschema entspricht. So ist er nahezu rund und die Schnauze kurz, weshalb sie kaum hervortritt. Die kleinen, runden Ohren sind seitlich und recht tief am Kopf angesetzt, was den Eindruck vermittelt, der Wickelbär habe Segelohren. Die großen, dunklen Augen geben einen deutlichen Hinweis auf die Nachtaktivität des Kleinbären.
Mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 40–60 cm erreicht der Wickelbär ungefähr die Körpergröße eines Nasenbären, wirkt aber insgesamt im Vergleich zu diesem wesentlich schlanker. Auch ist er mit einem Gewicht von 1,8–4,5 kg deutlich leichter als die bis zu 6 kg schweren Rüsselbären. Wesentlich zum schlanken Gesamteindruck des Wickelbären trägt auch der mit 45–55 Zentimeter körperlange, dünne Schwanz bei. Dieser ist extrem beweglich und dient dem Tier als Greifschwanz, wobei er beispielweise um Äste gewickelt wird, was dem Kleinbären seinen deutschen Namen eingebracht hat. Noch deutlicher werden Beweglichkeit und Funktion des Schwanzes in der niederländischen Bezeichnung Rolstaartbeer (Rollschwanzbär).

Das Fell des Wickelbären ist relativ kurz, aber sehr wollig. Je nach Unterart variiert es in verschiedenen Brauntönen, die je nach Unterart einen mehr gelblichen oder orangefarbenen Einschlag haben, einige der sieben Unterarten zeigen zudem einen dunkelbraunen bis schwarzen Aalstrich. Auf dem Bauch sind die Tiere deutlich heller, meist gelblich gefärbt.

Die vorderen Extremitäten sind kürzer als die hinteren, was beim Laufen den affenartigen Eindruck noch verstärkt. Hinzu kommt, dass der Wickelbär beim Fressen meist sitzt und die Nahrung in den extrem gut zum Greifen geeigneten Vorderpfoten hält.

Lebensweise
Wickelbären sind rein nachtaktiv und verschlafen den Tag in Baumhöhlen. Fehlen diese, werden übergangsweise auch stark belaubte Astgabeln oder Lianen als Schlafplatz angenommen. Geschlafen wird zusammengerollt in der sogenannten Embryonalstellung, wobei die Tiere ihre Vorderpfoten über die Augen legen.

Nach Einbruch der Dämmerung gehen die Kleinbären meist einzeln auf Nahrungssuche. Lediglich bei einem reichhaltigen Nahrungsangebot kann es zu größeren Ansammlungen kommen. 

In diesen Fällen ist auch zu beobachten, dass mehrere Wickelbären in einer Baumhöhle gemeinsam übernachten und sich gegenseitig putzen. Welche Funktion dieses Verhalten bei den ansonsten eher einzelgängerischen Tieren hat, ist bisher nicht geklärt, eventuell dient es der innerartlichen Beschwichtigung.

Bei knappem Nahrungsangebot sind Wickelbären wie gesagt meist einzeln unterwegs. Trifft man dennoch auf eine Gruppe, handelt es sich meist um ein Weibchen mit Jungtieren, wobei neben dem aktuellen auch das letztjährige Junge noch bei der Mutter lebt. In vielen Fällen sind auch zwei Männchen bei der Gruppe zu sehen, doch ist nicht geklärt, weshalb nicht ein Männchen alleine das Weibchen beansprucht, zumal es vor allem in der Paarungszeit teilweise heftige Konflikte innerhalb der Gruppe gibt. Eventuell hilft das gemeinsame Auftreten der Männchen dabei, das Revier gegen Nebenbuhler zu verteidigen.

Innerhalb der Gruppe ist der soziale Zusammenhalt nur sehr schwach ausgeprägt, insbesondere kann nur in seltenen Fällen gegenseitige Fellpflege festgestellt werden, die als Indiz für ein enges Sozialverhalten gilt.

Lautäußerungen sind von Wickelbären so gut wie nie zu hören; lediglich, wenn sie erschreckt werden, geben sie ein hundeähnliches Kläffen von sich. Außerdem zeigen Weibchen ihre Paarungsbereitschaft durch ein leises Zirpen an.
Fortpflanzung
Die Fortpflanzung ist bei Wickelbären nicht an eine bestimmte Jahreszeit gebunden. Ist das Weibchen paarungsbereit, kommt es unter den Männchen zu teils heftigen Kämpfen, wobei der Gewinner sich in der Folge mit dem Weibchen paart und es vor anderen paarungswilligen Männchen abschirmt. Auf diese Weise gelingt es ihm sicherzustellen, dass der zu erwartende Nachwuchs ausschließlich von ihm stammt. Genetische Untersuchungen haben gezeigt, dass es dominante Männchen zu fast 100 % schaffen, fremde Männchen von der Paarung mit dem Weibchen abzuhalten (Kays 2005).

War die Paarung erfolgreich, erfolgt nach 100–120 Tagen die Geburt des Jungtiers, nur in Ausnahmefällen kommen Zwillinge zur Welt. Diese sind im Gegensatz zu den adulten Wickelbären nur mit spärlichem, silbergrauem Haar bedeckt. Vor allem der Bauch ist nahezu unbehaart. Die Ohren öffnen sich um den dritten Lebenstag herum, die Augen zwischen dem achten und dem 15. Tag. Ab der siebten Woche nimmt das Jungtier feste Nahrung auf, gesäugt wird es jedoch mindestens vier Monate lang.

Muss das Jungtier vom Weibchen getragen werden, wird es an der Kehle und nicht wie bei den meisten anderen Säugern am Nacken gepackt. Diese Grifftechnik wirkt im ersten Moment erschreckend, bleibt für die Jungtiere jedoch ohne Folgen. Hungrige oder ängstliche Junge geben ein weinerliches Geräusch von sich, das sich wie eine Mischung aus Babyweinen und einem Pfeifen anhört. Das Muttertier reagiert darauf in der Regel mit zirpenden Lauten, die das Jungtier beruhigen sollen.

Ernährung

Die meisten Kleinbären sind Allesfresser. Dies trifft auf den Wickelbären jedoch nur teilweise zu, denn er ernährt sich von bis zu 90 % Früchten, die er in den Baumkronen gut erreichen kann. Die restlichen 10 % der Nahrung bestehen aus Nektar, Insekten sowie kleinen Wirbeltieren und Eiern. Die Zusammensetzung der Nahrung scheint dabei vom jeweiligen Standort abzuhängen. Bemerkenswert ist die große Abhängigkeit der Wickelbären von Früchten, die in dieser Deutlichkeit sonst nur von fruchtfressenden Fledermäusen bekannt ist (Kays 2005).
Haltung
Während Wickelbären in Deutschland nur vereinzelt gehalten werden, sind sie in ihrer Heimat als Heimtiere durchaus verbreitet. Meist handelt es sich um als Jungtiere gefangene Exemplare, die eine gewisse Vertrautheit zeigen. So zahm wie beispielsweise Nasenbären werden sie aber nur selten.

In Deutschland gibt das „Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren“ als Mindestgröße des Außengeheges 10 qm bei 2,50 m Höhe für ein Paar an. Allerdings ist unter „Gehegeanforderungen“ zu lesen, dass Wickelbären als kälteempfindliche Tiere vorzugsweise im Innenbereich in Nachttierabteilungen untergebracht sind. Werden Wickelbären ganzjährig ausschließlich im Innengehege gepflegt, so sollten ihnen laut Gutachten mindestens dieselben Maße zur Verfügung stehen wie bei „Außenbereich“ erwähnt.


Gehege
Da Wickelbären auf langfristig anhaltende Temperaturen unter 20 ° C empfindlich reagieren, sollte bei der Gehegegestaltung darauf geachtet werden, dass der Innenbereich genügend groß ist, denn zumindest im deutschen Winter werden die Kleinbären den Großteil der Zeit im Innenraum verbringen. Dennoch sollte ihnen nach Möglichkeit auch ein Außenbereich angeboten werden, den sie meist auch gern aufsuchen, selbst im Winter, wenn dann auch nur für kurze Zeit. Bei gemischter Haltung drinnen/draußen muss der Innenbereich laut „Gutachten“ mindestens 4 m2 bzw. 10 m3 pro Paar umfassen, bei 2,50 m Höhe. Wichtig ist, dass den Bären immer ein Innenbereich zur Verfügung steht, der auf etwa 20 °C geheizt wird. Zwar sind auch Haltungen bekannt, bei denen die Tiere kälter gepflegt werden und ihnen nur ein geheizter Schlafkasten zur Verfügung steht, ideal ist das aber sicher nicht. Nicht alles, was Tiere aushalten, ist ihnen auch wirklich zuträglich!

Neben der Größe sollte auch der Höhe des Geheges Augenmerk geschenkt werden. Da sich Wickelbären bevorzugt in den oberen Regionen aufhalten, sollte laut Gutachten eine Höhe von 2,50 m nicht unterschritten werden, besser geeignet sind jedoch Gehegehöhen von 3 m. Bei größeren Höhen muss immer bedacht werden, dass es bei nicht zahmen Tieren schwierig werden kann, sie bei Bedarf einzufangen.

Da Wickelbären baumbewohnend sind, sollte das Gehege mit zahlreichen Ästen ausgestattet sein, damit die Tiere die Möglichkeit haben, ausgiebig zu klettern. Auch dicke Seile werden von den geschickten Kleinbären gerne als Kletterhilfen angenommen. Hierfür müssen solche Seile verwendet werden, die nicht zu leicht spleißen, da sonst die Gefahr besteht, dass die Bären sich in ihnen verheddern und dabei verletzen.

Keinesfalls fehlen dürfen zahlreiche Spielmöglichkeiten, da Wickelbären außerordentlich verspielt sind. Dabei darf aber niemals die Kraft der grazil wirkenden Bären unterschätzt werden, weshalb nur wirklich stabile Gegenstände verwendet werden sollten. Während Weidenkörbe, starke Seile, Kork oder Hängematten (aus robustem Stoff, z. B. Jeansstoff) gut als Beschäftigungsmaterial geeignet sind, haben sich Gegenstände aus Kunststoff als ungeeignet erwiesen, da sie innerhalb kurzer Zeit zerstört werden und beim Abschlucken zu Verletzungen führen können. Ebenfalls gut als Beschäftigungsmaterial verwenden lassen sich dicke Pappröhren (beispielweise Pappkerne von Teppichrollen) oder ausgehöhlte Kokosnüsse, die mit Futter gefüllt werden können, sodass die Bären sich ihre Nahrung erarbeiten müssen.

Um den intelligenten Tieren regelmäßig neue Anreize zu schaffen, sollten Spielzeuge immer wieder ausgetauscht werden, und auch die Inneneinrichtung des Geheges ist von Zeit zu Zeit zu erneuern.

Ernährung

Wickelbären, die in ihrer Heimat auch Honigbären genannt werden, ernähren sich wie schon erwähnt überwiegend von Obst. Dem sollte auch bei der Haltung in Menschenobhut Rechnung getragen werden.

Jegliche Art von Obst wird gefressen. Meine Exemplare nehmen bevorzugt süße Sorten wie Bananen, Mangos, Trauben, Datteln und überreife Birnen, während sie beispielsweis Äpfel eher zögerlich verzehren. Zusätzlich kann Gemüse in Form von Paprika oder Möhren angeboten werden – solange Obst vorhanden ist, wird es aber meist ignoriert.
Als besondere Leckerei erhalten meine Tiere einmal wöchentlich Honig, Quark oder Eier, wobei Wachteleier besonders beliebt sind. Ebenso biete ich regelmäßig Heuschrecken, Mehlwürmer; Hundetrockenfutter und Eintagsküken an, die meine Wickelbären gerne fressen, wenn sie nur ab und an gereicht werden. Ständig zur Verfügung steht meinen Exemplaren zudem Kolibrinektar, den ich in Trinkröhrchen anbiete und der bei meinen Kinkajous sehr beliebt ist.

Aufgrund ihrer Nahrungsvorlieben und des täglichen Futterbedarfs von bis zu 500 g sind Wickelbären keine billigen Pfleglinge. Dies sollte vor der Anschaffung unbedingt bedacht werden.

 Vergesellschaftung
In meiner Obhut befinden sich neben einem Wickelbärpaar auch zwei gemeinsam lebende Männchen, die bisher ohne Probleme miteinander auskommen. Wichtig ist, dass jedem Tier ein eigener Schlafkasten zur Verfügung steht, da selbst das Paar zeitweise getrennt schläft. Fehlen ausreichend Schlafkästen, kann es zu heftigen Streitereien unter den Tieren kommen, bei denen der Unterlegene u. U. heftige Bisswunden davonträgt. Da selbst bei harmonierenden Paaren kaum Sozialkontakte zu beobachten sind und immer wieder Auseinandersetzungen auftreten können, habe ich meine Gehege so konstruiert, dass sie sich problemlos teilen lassen. Die Trennung erfolgt mittels Gitterschieber, durch die hindurch sich die Tiere weiterhin sehen und riechen können, sodass sie stets die Möglichkeit haben, in Kontakt miteinander zu treten. Bisher war es zwar erst einmal nötig, eine Trennung vorzunehmen, aber auch bei der Zusammenführung neuer Tiere hat sich eine solche Gehegeaufteilung bewährt. Sinnvoll ist es, die Trennung der Gehege von außen durchführen zu können, denn einmal heftig miteinander in Streit geratene Wickelbären vergessen alles um sich herum, sodass auch für den Halter eine Verletzungsgefahr besteht.
Umgang
Da es sich bei den in Deutschland gehaltenen Wickelbären nahezu ausnahmslos um Nachzuchten handelt, sind die meisten Tiere recht umgänglich, viele sogar extrem zahm. Vor allem Handaufzuchten sind mit dem Pfleger sehr vertraut – die Zahmheit anderer Kleinbären erreichen sie aber oft nicht. Zahme Tiere lassen sich problemlos händeln, bei scheueren Exemplaren ist jedoch Vorsicht geboten, vor allem wenn sie eingefangen werden sollen. Man unterschätzt leicht die enorme Wendigkeit und Geschwindigkeit der Kleinbären. Das Einfangen nicht zahmer Exemplare sollte immer mit einem Kescher erfolgen. Da der Schwanz als Kletterhilfe eingesetzt wird, ist es nicht sinnvoll, Wickelbären ausschließlich daran festzuhalten, da sie sich behände hochhangeln und mit Beißen oder Kratzen wehren können. Gerade einfache Manipulationen und Untersuchungen gelingen aber bei zahmen Tieren ohne Probleme, wobei es sich bewährt hat, sie durch regelmäßiges Training bereits frühzeitig an solche Eingriffe zu gewöhnen.
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