Waschbären

Nasenbär
Nasua nasua

Haltung - Fütterung - Zucht
Waschbären stehen auf der Liste der invasiven Arten der EU. Ihre Zucht sowie der Transport ist damit verboten, die Haltung nur unter bestimmten Auflagen möglich!
Ich habe mich dennoch dazu entschieden, den folgenden Artikel nicht zu kürzen, um umfassend über die Haltung zu informieren, denn noch gibt es zahlreiche Waschbären in Menschenobhut.
Wer sie einmal gesehen hat, vergisst sie nie mehr, denn wer kann sich schon dem Charme eines Waschbären entziehen. Kein Wunder also, dass kaum ein Tierpark oder Zoo auf die Haltung der Tiere verzichtet, zumal ihr Gehege stets stark von Besuchern frequentiert wird, die sich an dem namensgebenden Waschen der Nahrung erfreuen. Diese Verhalten zeigen Waschbären übrigens hauptsächlich in Menschenobhut, in freier Natur kann nur selten beobachtet werden, dass die Bären ihr Futter ins Wasser halten und dort abtasten. Auch in großen Gehegen, in denen die Strecke bis zur Wasserstelle recht groß ist, zeigen die Tiere das angeblich für sie so typische Verhalten nur selten. Worin die Ursache für das „waschen“ der Beute begründet liegt ist bisher nicht geklärt, eventuell handelt es sich um eine Leerlaufhandlung, abschließend geklärt ist dies jedoch nicht.
Bei manchem Tierfreund entsteht nach dem Beobachten der Waschbären im Zoo der Wunsch, diese Kleinbären auch selber zu halten. Dies ist generell möglich, wenn man sich im Vorfeld über die Bedürfnisse der Tiere ausreichend informiert und bereit ist, diese auch zu erfüllen. Und dabei darf man sich nicht von dem possierlichen Aussehen der Bären täuschen lassen – Waschbären sind echte Raubtiere und sollten auch so behandelt werden.

Grundlagen der Haltung
Die Entscheidung für eine Haltung von Waschbären sollte erst getroffen werden, wenn man sich über alle notwendigen Rahmenbedingungen im Klaren ist. Dies heißt zunächst, dass man die erforderlichen Genehmigungen einholt, die von Bundesland zu Bundesland verschieden sind. Hier hilft meist ein Anruf beim zuständigen Landrats- oder Umweltamt. Bezüglich der in manchen Bundesländern erforderlichen Gehegegenehmigung ist die rechtzeitige Nachfrage beim Ordnungsamt notwendig und dies vor Baubeginn, da sonst Ordnungsgelder oder der Zwangsabriss der Gehege drohen.
Das Gutachten über die Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren gibt eine Fläche von 20 qm für ein Paar an, wobei die Gehegehöhe mindestens 2 m betragen muss, für jedes weitere Tier sind zusätzliche 2 qm erforderlich.

Während in zoologischen Gärten Waschbären oftmals in oben offenen Gehegen gehalten werden, die durch eine 1,50 – 1,60 m hohe Mauer oder einen Trockengraben begrenzt werden, empfiehlt sich bei Privathaltung eine komplett geschlossene Anlage, da sie das Risiko eines Ausbruchs der Tiere doch erheblich reduziert und somit auch langfristig für mehr Ruhe in der Nachbarschaft sorgt. Wer dennoch die oben offene Variante wählt, was vor allem aus optischen Gründen durchaus nachvollziehbar ist, sollte unbedingt mit einem Elektrodraht ein Überklettern verhindern. Spätestens in diesem Fall sollte auch über eine spezielle Tierhalterhaftpflicht nachgedacht werden, um im Falle eines Falles abgesichert zu sein.
Aber nicht nur nach oben, auch nach unten sollte das Gehege gesichert sein, dies kann durch ein mindestens 60 cm tiefes Fundament oder durch in den Erdboden eingebrachten Draht erfolgen.

Wer ganzjährig Kontakt zu seinen Kleinbären haben möchte, sollte auf eine reine Außenhaltung verzichten, da die Tiere sich dann im Winter bei großer Kälte zurückziehen, kaum fressen und die meiste Zeit in ihren Schlafhöhlen verbringen. Dies erschwert die tägliche Kontrolle der Tiere und so kann eine eventuelle Erkrankung oft nur verspätetet erkannt werden. Besser ist es daher, den Tieren einen frostfreien Innenraum zu bieten.

Einrichtung des Geheges

Eine der zentralen Einrichtungen in einem Waschbärgehege stellt ein Badebecken dar. Dieses muss so konzipiert sein, dass es sich leicht reinigen lässt, weshalb es sich empfiehlt ein betoniertes Becken zu wählen, welches über einen geeigneten Abfluss verfügt. Auch im Gartenfachhandel erhältliche Fertigteiche können gute Dienste leisten, diese müssen dann jedoch mit einem Abfluss ausgestattet werden. Wichtig bei der Gestaltung eines solchen Beckens ist es, dass ein eventuell hineingefallenes Tier sich aus eigener Kraft wieder daraus befreien kann, auch muss eine ausreichend breite Flachwasserzone vorhanden sein.
Ansonsten besteht die Einrichtung eines Waschbärgeheges vor allem aus ausreichend Klettermöglichkeiten wie dickeren Ästen, Baumstämmen und Wurzeln. Da Waschbären hervorragende Kletterer sind, sollte die Gehegehöhe bei geschlossener Bauweise die Höhe von 2 Metern durchaus überschreiten, um den Tieren zu ermöglichen, ihre Kletterfähigkeiten auszuleben.
Neben Klettermöglichkeiten benötigen Waschbären auch mehrere Schlafhöhlen, die vor allem in der kalten Jahreszeit mit Stroh gefüllt werden sollte, um den Tieren ausreichend Material zum Einkuscheln zu bieten.

Fütterung
Beim Futter sind Waschbären als echte Opportunisten nicht wirklich wählerisch. So nehmen sie neben Katzen-und Hundefutter auch Eintagsküken und Fisch an. Daneben kann etwa die Hälfte des Futters vegetarisch gestaltet werden. Besonders beliebt sind Äpfel, Birnen und Bananen, aber auch Karotten. Ein besonderer Leckerbissen sind hartgekochte Eier.
Um die Tiere ausreichend zu beschäf-tigen, empfiehlt es sich, dass Futter über die Anlage zu verteilen oder in mit Heu gefüllten Kartons zu verstecken, damit die Waschbären es sich erarbeiten müssen.
Ebenfalls der Beschäftigung dienen ungeschwefelte Rosinen, die im Gehege verstreut werden und die von den Bären mit einem wahren Rieseneifer gesammelt werden. Ähnlich beliebt sind gekochte Eier der Chinesischen Zwergwachtel (Coturnix chinensis), die aufgrund ihrer geringen Größe die Tiere kaum sättigen, aber ausreichend beschäftigen.

Vergesellschaftung und Umgang
Lange Zeit galten Waschbären als Einzelgänger, erst in den 1990er durchgeführten Studien zeigten, dass sie drei unterschiedliche Formen des Zusammenlebens zeigen. So findet man in der Natur neben Familien- gruppen auch rein Weibchen- und Männergruppen, die mehr oder weniger fest strukturiert sind.
Deshalb sollte den Kleinbären auch in Menschenobhut ein Sozialpartner angeboten werden. Dabei empfiehlt sich die Haltung von reinen Männchen- oder Weibchengruppen, um Nachzuchten zu vermeiden, da zumindest wildfarbene Jungtiere nur noch schwer vermittelbar sind.
Denn ein Punkt, der bei der Haltung von Waschbären bedacht werden muss, ist die teilweise große Aggressivität geschlechtsreifer Tiere. Während vor allem handaufgezogene Waschbären als Jungtiere extrem zahm und anhänglich sind, ändert sich das Verhalten mit Erreichen der geschlechtsreife teilweise dramatisch, da die Bären dann ohne große Vorwarnung ihren Pfleger angreifen. Dieses Verhalten tritt zwar nicht bei allen Tieren auf, muss aber bei der Anschaffung der Tiere einkalkuliert werden und führt nicht selten dazu, dass Haltungen aufgegeben werden, wenn es zu Bissattacken gekommen ist. Aus diesem Grund gehören Waschbären nur in die Hände von erfahrenen Haltern, die mit dem verhaltend er Bären umzugehen wissen.


Farbformen
Da Waschbären vor allem in Nordamerika schon seit langen Jahren in Menschenobhut gehalten werden, ist es nicht verwunderlich, dass inzwischen verschiedene Farbformen aufgetreten sind. So gibt es neben Albinos auch eine als Blond bezeichnete Farb- variante, bei der die Tiere deutlich aufgehellt sind und ein fast gelbes Fell zeigen. Durch Selektionszucht wurden auch fast ganz schwarze Tiere herausgezüchtet, welche vor allem in Übersee sehr beliebt sind.
Auch wenn mit Auftreten der Farbformen der erste Schritt hin zu einer Domestikation getan ist, darf jedoch niemals vergessen werden, dass es sich bei Waschbären um Raubtiere handelt. Die Anschaffung solcher Tiere muss also gut überlegt werden.


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