Nasenbär

Nasenbär
Nasua nasua

Haltung - Fütterung - Zucht
Nasenbären stehen auf der Liste der invasiven Arten der EU. Ihre Zucht sowie der Transport ist damit verboten, die Haltung nur unter bestimmten Auflagen möglich!
Ich habe mich dennoch dazu entschieden, den folgenden Artikel nicht zu kürzen, um umfassend über die Haltung zu informieren, denn noch gibt es zahlreiche Nasenbären in Menschenobhut.
Während in den früheren Jahren Nasenbärhaltung überwiegend in zoologischen Gärten stattfand, gibt es inzwischen einige private Halter, die diese Kleinbären erfolgreich pflegen. Insgesamt sind Nasenbären recht anspruchslose Pfleglinge, wenn man beachtet, dass sie ausreichend Platz benötigen und auch ihre Ernährung nicht ganz billig ist.
Das GUTACHTEN ÜBER DIE MINDEST-ANFORDERUNGEN AN DIE HALTUNG VON SÄUGETIEREN schreibt eine Mindest-gehegegröße von 30 qm für zwei Tiere vor, für jedes weitere Tier sind 2 weitere m2 einzuplanen.
Da sich Nasenbären in Gruppen von drei und mehr Tieren deutlich wohler fühlen, als in paarweiser Haltung, sollte ein entsprechend großes Gehege von Beginn an geplant werden. Vor allem wenn Nachwuchs geplant ist, muss die Gehegegröße entsprechend großzügig entworfen werden.
Neben einem Außengehege muss zudem ein ausreichend großes Innengehege vorhanden sein, welches im Winter beheizbar ist und Temperaturen über 15 °C aufweist. Alleine hierdurch entstehen nicht unerhebliche Kosten, weshalb die Haltung von Nasenbären sicherlich nur einem kleineren Kreis von Kleinsäugerfreunden vorbehalten bleibt.
Das Außengehege kann als Freivoliere geplant werden, wobei eine Fundamenttiefe von 60 cm eingehalten werden sollte, um ein Untergraben zu verhindern. Die Mindesthöhe sollte zwei Meter nicht unterschreiten, höhere Gehege bieten aber den Vorteil, dass die Tiere mehr Klettermöglichkeiten haben, was ihrem natürlichen Verhalten entgegenkommt. Wer ganz auf Gitter verzichten möchte, kann auch eine Begrenzung des Geheges mittels Elektrodraht vornehmen, wie dies in verschiedensten Zoologischen Gärten bereits durchgeführt wird. Wichtig beim Gehegebau ist, auf Stabilität zu achten, da Nasenbären an allen Einrichtungen ihre Krallen ausprobieren und es sonst schnell zu Schäden kommen kann.

Unterbringung
Ich habe meine Innenanlage komplett gefliest, um so eine leichtere Reinigung zu gewährleisten. Die Decke des Geheges ist hingegen lediglich verputzt. An Stellen, an denen die Nasenbären bis zur Decke gelangen konnten, haben sie innerhalb kürzester Zeit den Putz aus den Übergangsfugen zwischen Wand und Decke entfernt, sodass ich diese durch Aluprofile schützen musste.
Als Außengehege habe ich mich zunächst für die offene Variante entschieden, die durch einen Elektrodraht gegen Überklettern geschützt ist. Zur Sicherheit wählte ich ein Weidezaungerät , welches bei einem Stromausfall noch bis zu 8 Stunden über eine Batterie versorgt wird, auch wenn das Ausbruchsrisiko bei gut eingewöhnten Gruppen sehr gering ist.

Tiere im Innengehege untergebracht, wo auch ausschließlich die Fütterung stattfindet.
Inzwischen habe ich ein rundum geschlossenes Außengehege gebaut, da dies von meiner Haftpflichtversicherung zur Bedingung gemacht wurde. Infos zum Bau des Geheges gibt es hier.

Die Einrichtung des Geheges
Die Einrichtung des Geheges erfolgt mit Kletterbäumen, Holz- und Steinverstecken. Sehr beliebt sind auch Hängematten, die allerdings entsprechend stabil sein müssen. Ich verwende zur Herstellung ein Gewebe, welches auch für Feuerwehrschläuche verwandt wird. Auch Strickleitern und Hängebrücken sind beliebte Einrichtungsgegenstände, die dem Spieltrieb der Nasenbären entgegen kommen.
Keinesfalls fehlen dürfen mehrere Schlafboxen, die in größerer Höhe (bei mir zwischen 2m und 2,8m) angebracht werden. Ich verwende sowohl komplett offene Boxen, als auch Boxen mit einem seitlichen Eingang, wobei beide Varianten gerne angenommen werden.
Gruppenzusammensetzung
Wer keinen Nachwuchs möchte sollte mit einer Gruppe von drei Weibchen oder einem kastrierten Männchen und zwei Weibchen starten. Auch die gemeinsame Haltung von mehreren kastrierten Männchen ist möglich. Möchte man züchten, so ist eine Gruppengröße von 2-3 Weibchen und einem potenten Bock ideal. Bei entsprechender Gehegegröße ist eine solche Vergesellschaftung problemlos möglich, allerdings müssen junge Männchen rechtzeitig vor der Geschlechtsreife aus der Gruppe entnommen werden, um Kämpfe zu vermeiden.
Auch bei ihren Eltern aufgewachsene Nasenbären sind innerhalb kürzester Zeit mit dem Halter sehr vertraut und nehmen das Futter aus der Hand. Dabei zeigen sich schnell die Strukturen innerhalb der Gruppe, das zuerst die ranghohen Weibchen zum Futter drängen und das Männchen meist hinten anstehen muss, bis die Damen gesättigt sind.

Ernährung
Da Nasenbären Allesfresser sind, stellt ihre Ernährung keine Schwierigkeit dar, allerdings muss man darauf achten, die Tiere nicht zu überfüttern, da Nasenbären nahezu immer hungrig sind und schnell zum Verfetten neigen.
Als Grundfutter können Eintagsküken, aber auch hochwertiges Katzen- oder Hundefutter (sowohl nass als trocken) angeboten werden. Auch Leber oder Hähnchenschenkel, Hühnerköpfe oder Futtermäuse werden gerne genommen. Ergänzt wird das Nahrungsangebot durch Obst wie Äpfel, Birnen, Bananen oder Trauben, wobei vor allem süße Obstsorten sehr beliebt sind.

Zwischenmahlzeiten mit Mehlwürmern oder Heuschrecken dienen der Beschäftigung und sorgen für große Betriebsamkeit bei den Bären. In ihrer Gier an beliebte Futtermittel zu gelangen, machen die Tiere auch vor dem Halter nicht Halt und klettern notfalls an ihm hoch, um schneller zum Futter zu gelangen. Trotz aller Gier ist es mir aber noch nie passiert, dass ich gebissen wurde und sei es auch nur versehentlich.
Zucht
Die Zucht von Nasenbären gelingt problemlos. Wichtig ist, dass zur Ranzzeit im Frühjahr nur ein Bock in der Gruppe ist, da es sonst zu heftigen Streitigkeiten kommen kann. Es empfiehlt sich, die trächtigen Weibchen kurz vor der Geburt zu separieren, um einen Verlust durch Infantizid zu vermeiden.
Vorsicht! Nach der Geburt wird auch das zahmste Weibchen extrem agressiv und greift ohne Vorwarnung an. Deshalb empfiehlt es sich, das Wurfzimmer so zu gestelten, dass es von außen bedient werden kann, bzw. dass das Weibchen  weggesperrt werden kann.

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