Präriehunde

Schwarzschwanz-Präriehunde
Cynomys ludovicianus

Haltung - Fütterung - Zucht
Die in Nordamerika beheimatet Gattung der Präriehunde (Cynomys) umfasst insgesamt 5 Arten. Anders als der Mexikanische Präriehund (Cynomys mexicanus), der Weißschwanz-Präriehund (Cynomys leucurus), der Gunnisons Präriehund (Cynomys gunnisoni) und der Utah-Präriehund (Cynomys parvidens) hat der Schwarzschwanz-Präriehund (Cynomys ludovicianus) eine enorme Popularität auch in Deutschland erlangt, fehlt er doch in kaum einem zoologische Garten. Auch in der Heimtierhaltung hat sich das Erdhörnchen, welches eines der Charaktertiere der amerikanischen Greta Plains ist, einen festen Platz erobert.
In seiner Heimat lebt der Schwarzschwanz-Präriehund in großen Kolonien, die auch als Städte bezeichnet werden. Diese Städte können dabei enorme Ausdehnungen erreichen, Fälle mit einer Fläche von mehreren Hektar Größe sind bekannt.  Innerhalb einer solchen Kolonie gibt es eine Vielzahl von Familiengruppen, die einen eigenen Bau bewohnen, welchen sie gegen andere Clans verteidigen. Eine solche Familiengruppe besteht stets aus einem Männchen, mehreren Weibchen sowie den dazugehörigen Jungtieren. Die Anzahl der Baue variiert je nach Nahrungsangebot und schwankt zwischen einem und neun auf 1000 m². Das Gangsystem eines solchen Präriehundbaus ist oft sehr weit verzweigt und erreicht eine Länge von bis zu 10 Metern bei einer durchschnittlichen Tiefe von 2 Metern. Es sind aber auch schon Präriehundbaue gefunden worden, die bis zu fünf Meter tief in die Erde gegraben waren.  Innerhalb des Gangsystems legen die jeweiligen Bewohner mehrere Kammern an, die mit Gräsern ausgepolstert werden und als Aufenthaltsbereich dienen.
Haltung in Menschenobhut
Neben dem Richardson Ziesel (Spermophilus richardsonii) ist der Schwarzschwanz-Präriehund der einzige Vertreter der nordamerikanischen Erdhörnchen, der regelmäßig in Menschenobhut zu finden ist. Alleine in Deutschland zeigen über 50 zoologische Einrichtungen Präeriehunde (zootierliste.de). Und auch in Privathand befinden sich zahlreiche dieser Hörnchen. Gegen Ende der 1990er-Jahre gab es sogar einen regelrechten Präriehund-Boom. Vor allem junge, frisch importierte Präriehunde wurden seinerzeit zu günstigen Preisen angeboten und fanden schnell ihre Liebhaber. Oftmals wurden diese dann in Wohnungshaltung gepflegt, wo sich kaum Nachwuchs einstellte.
Insgesamt sind die Nachzuchterfolge bei einer reinen Wohnungshaltung jedoch gering. Ursächlich ist dafür hauptsächlich die mangelnde Phase der Winterruhe, die sich in der Wohnung nur schwer einleiten lässt. Dauerhaft hohe Temperaturen und vor allem die Verlängerung der Beleuchtungszeit auch in der dunklen Jahreszeit sind zwei hierfür verantwortliche Faktoren.

Haltung
Als gruppenlebende Säuger sollten Präriehunde niemals einzeln, sondern zu zweit (oder mehr Tieren) gehalten werden. Sollen die Tiere in reiner Wohnungshaltung gepflegt werden, ist ein Gehege von mindestens 2qm erforderlich, welches stabil genug sein muss, um den scharfen Nagezähnen der Tiere Stand zu halten. Hier kommen nur Glas und Metall als Materialien in Frage, übliche Kaninchengehege mit einer Unterschale aus Kunststoff werden in kürzester Zeit zerstört. Wichtig ist täglicher Auslauf in der Wohnung für die Präriehunde, dieser darf aber niemals unbeaufsichtigt stattfinden, da sonst Schäden an der Wohnungseinrichtung nicht ausbleiben.
Idealerweise sollte eine Außenhaltung der Tiere erfolgen. Hier sollte ein möglichst großes Gehege angelegt werden, da in diesem Fall im der Freilauf wegfällt. Als Mindestanforderung gibt das Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren 20 qm für drei Tiere an, für jedes weitere Tier muss das Gehege um 1 qm erweitert werden. Wichtig ist die Sicherung des Geheges nicht nur nach oben, sondern auch nach unten, um ein Untergraben zu verhindern. Haben die Präriehunde die Möglichkeit mindestens einen Meter tief zu graben, so kann auch die Überwinterung im Außengehege erfolgen, denn Präriehunde halten von Spätherbst bis Frühjahr Winterschlaf, wenn die Temperaturen entsprechend niedrig sind. Bei Wohnungshaltung findet dieser nur sehr selten statt, solange man das Gehege nicht in einen entsprechend kalten Raum (z.B. Keller) stellt.
Möchte man nicht züchten, empfiehlt sich die Kastration männlicher Präriehunde, vor allem wenn rein als Heimtier in Innenhaltung gehalten werden. Diese werden sonst während der Fortpflanzungsphase, bei Präriehunden Rut genannt, extrem aggressiv und sind nur schwer zu händeln. Vor und nach dieser Zeit sind sie dann wieder die liebenswerten Hausgenossen.

Präriehunde im Winter
Während der Wintermonate verlassen Schwarzschwanz-Präriehunde ihren Bau nur selten. Anders als andere Erdhörnchen, z.B. das Alpen-Murmeltier (Marmota marmota) halten sie aber keinen Winterschlaf, sondern lediglich Winterruhe. Dies bedeutet, dass sie auch in den Wintermonaten regelmäßig aufwachen. In diesen Fällen fressen sie von dem in die unterirdischen Kammern eingebrachten Heu, auch setzen sie regelmäßig Kot und Urin ab. Ist das Wetter während der Wachperiode mild und die Sonne scheint, lassen sich die Tiere auch außerhalb des Baus sehen, wobei sie stets auf der Suche nach Nahrung sind. Meist dauert die Phase der Winterruhe von November bis Februar, allerdings bleiben die Erdhörnchen auch nach Ende der Periode meist noch mehrere Tage hintereinander im Bau und erscheinen erst bei günstigem Wetter an der Erdoberfläche. Erst wenn die Temperaturen dauerhaft stabil und warm sind, sind sie täglich außerhalb ihres Baus zu sehen.

Überwinterung als Voraussetzung für Zucht
Da ohne eine Winterruhe die Nachzucht bei Präriehunden nur in Ausnahmefällen gelingt, sollte dieser besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, da die Zeiten der großen Importe für Jungtiere inzwischen zurecht vorbei sind. Eine arttypische Überwinterung gelingt vor allem bei Tieren in Außenhaltung, denn dort stellen sich kalte Temperaturen und kürzere Tageslänge von alleine ein. Allerdings birgt die Überwinterung in Außengehegen auch einige Risiken. So besteht zunächst die Gefahr, dass die Tiere in besonders kalten Nächten in ihrem Bau erfrieren können, wenn dieser haltungsbedingt nicht frostsicher ist. Aus diesem Grund muss sichergestellt werden, dass die Präriehunde die Möglichkeit haben, mindestens zwei Meter tief zu graben, da erst ab dieser Tiefe in unseren Breitengraden eine Frostsicherheit gegeben ist. Vor allem in Privathand sind diese Voraussetzungen aber nicht immer zu schaffen.
Ebenso muss bedacht werden, dass sich im Erdreich des Geheges keine Staunässe bilden darf, da ansonsten das in die Wohnhöhlen eingebrachte Heu feucht wird. Auf diese Weise verliert es seine Eigenschaft als Wärmeisolation und kann anfangen zu schimmeln, was zusätzliche Gesundheitsprobleme hervorruft. Nicht zuletzt muss beachtet werden, dass das in das Gehege eingebrachte Erdreich auch unter Dauerregen stabil bleiben muss, damit die Gangsysteme der Präriehunde auch in den regnerischen Herbst- und Wintertagen nicht einstürzen. Wie groß diese Gefahr ist, hat erst jüngst der Zoo Frankfurt feststellen müssen, bei dem es in der Erdmännchenanlage zum Zusammenbruch des Gangsystems kam, wobei die Tiere so verschüttet wurden, dass sie nur tot geborgen werden konnten.

Abwägung von Pro und Kontra
Eine Überwinterung im Freigehege will also gut überlegt sein, um das Risiko für die Tiere möglichst gering zu halten, denn letztlich möchte man ja, dass die Tiere im Frühjahr wieder die Anlage bevölkern. Neben den oben genannten Voraussetzungen gilt es auch, einen wirksamen Schutz gegen Raubsäuger und Ratten zu schaffen, welche im Winter durchaus gerne die Gänge der Präriehunde in Beschlag nehmen. Zwar sind Präriehunde durchaus wehrhaft, in den Schlafphasen sind sie jedoch nahezu wehrlos.

Möchte man die Risiken einer Überwinterung im Freiland nicht eingehen, so bleibt nur die Möglichkeit, alle Präriehunde aus der Freianlage herauszufangen und in geeigneten Räumlichkeiten zu überwintern. Diese sollten frostfrei, aber nicht beheizt sein, zudem sollten sie nur für eine begrenzte Zeit Helligkeit bieten. Ruhe ist ein weiterer wichtiger Punkt, den ein „Indoor“-Überwinterungsquartier erfüllen muss.
Hat man eine solche Räumlichkeit zur Verfügung und sich zur Innenüberwinterung entschlossen, steht man vor dem Problem, die Präriehunde einfangen zu müssen. Nur bei ganz zahmen Tieren läuft dies problemlos ab. In den meisten Fällen wird man auf das Herausfangen mittels Lebendfalle zurückgreifen müssen, wobei hier die Schwierigkeit vor allem in größeren Gruppen entsteht, dass die Tiere lernen, die Falle zu meiden. Aus diesem Grund kann sich die Aktion teilweise sehr lange hinziehen, bis schließlich alle Präriehunde in ihrem Winterquartier angekommen sind.
Dort sollten sie dann verbleiben bis die Nächte wieder nahezu frostfrei sind. Mitte bis Ende März ist meist der geeignete Zeitpunkt für einen Umzug in die Sommerresidenz. Je tiefer das Erdreich des Geheges ist, desto eher können die Präriehunde ins Freie gesetzt werden. Spätestens nachdem eine Paarung beobachtet werden konnte, ist der Zeitpunkt für das Umsetzen erreicht, da etwa fünf Wochen später die Geburt ansteht und die Weibchen sich bis dahin ihre Kinderstube eingerichtet haben sollten.

Fütterung
Bei der Ernährung muss unbedingt darauf geachtet werden, dass hierbei sehr wohl Zuviel des Guten getan werden kann. Zu reichhaltiges oder falsches Futter führt zur Verfettung und zu Organschäden. Meist wachen solche Tiere nach dem Winterschlaf nicht mehr auf. Die Hauptnahrung sollte ein hochwertiges Heu ausmachen, zusätzlich kann ein spezielles Präriehundefutter, welches von verschiedenen Herstellern angeboten wird, gereicht werden. Auf Obst sollte verzichtet werden, da es nicht zum natürlichen Nahrungsspektrum der Präriehunde zählt und sogar zu Diabetes führen kann. Besser ist daher die Gabe von Wurzelgemüse.
Farbformen
Inzwischen gibt es neben Albino-Präreihunden auch leuzistische Tiere (weiß mit schwarzen Augen sowie gescheckte Tiere.
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