Nacktsohlen-Rennmäuse

Nacktsohlen-Rennmäuse
Tatera/Taterillus spec.

Haltung - Fütterung - Zucht
Beim Stichwort Rennmaus denkt wohl unwillkürlich jeder an die mongolische Renn-maus(Meriones unguiculatus), die inzwischen bei vielen Nagerfreunden ein Zuhause gefunden hat. Nur einige wenige Rennmausarten haben eine ähnliche Popularität erreicht, so z.B. die persische Rennmaus (Meriones persicus) oder die Shaw-Rennmaus (Meriones shawi). Aus der Gattung Gerbillus ist vor allem die Blasse oder Bleiche Rennmaus (Gerbillus perpallidus) bei Liebhabern zu finden. Kaum bekannt sind aber die Rennmäuse der Gattungen Tatera und Taterillus, die aufgrund ihrer unbehaarten Fußsohlen die deutsche Bezeichnung Nacktsohlen-Rennmaus erhalten haben.
Die Heimat der Nacktsohlenrennmäuse ist Zentral- und Südafrika, lediglich die indische Nacktsohlenrennmaus (Tatera indica) hat ihr Verbreitungsgebiet im asiatischen Raum von Indien über Pakistan bis Syrien. Als Lebensraum bevorzugen die Nacktsohlenrennmäuse Savannen und offene Ebenen mit geringem Baumbestand. Innerhalb der Gattung Tatera findet man einige Arten, die zu den größten Rennmausarten zählen, zwischen 9 und 19cm schwankt die Körperlänge der einzelnen Arten. Die Taterillusarten bleiben hingegen deutlich kleiner, weshalb sie oftmals auch als kleine Nacktsohlenrennmäuse bezeichnet werden. Sie erreichen eine Körperlänge von 10 bis 13 cm, hinzu kommt ihr Schwanz, der stets länger ist als der Körper.
Die großen Augen und Ohren der Nacktsohlenrennmäuse kennzeichnen sie als nachtaktive Tiere, den Tag verbringen sie geschützt in ihren Bauten. Ingesamt handelt sich bei den Nacktsohlenrennmäusen um sehr gesellige Tiere, die deutlich weniger innerartliche Aggressi-onen zeigen, als dies z.B. Rennmäuse der Gattung Meriones tun. Neben dem Hauptbau legen sie sogenannte Fluchtröhren an, welche im Gegensatz zu den tiefen, weit verzweigten Hapt-bauten aus einer kurzen geraden Röhre bestehen, in die sich die Tiere bei Gefahr blitzartig zurückziehen können.
Im Normalfall bewegen sich Nacktsohlenrennmäuse laufend fort, bei Gefahr vollführen sie jedoch auch große Sprünge mit bis zu 1,50 Meter Höhe. Von der indischen Nacktsohlenrenn-mäuse ist bekannt, dass sie Sprünge bis zu 3,50 Meter machen kann.
Die Fellfarbe der einzelnen Arten variiert zwischen sandfarben über dunkelbraun bis grau, wobei die Bauchseite und die Pfoten stets heller gefärbt sind, die Körperform insbesondere der größeren Art ist rattenähnlich.

Die Nahrung der freilebenden Nacktsohlenrennmäuse besteht aus Knollen, Wurzeln, Samen und grünen Pflanzenteilen, auch Insekten gehören zum Nahrungsspektrum. Von der indischen Nacktsohlenrennmaus ist zudem bekannt, dass sie zusätzlich Eier und junge Vögel frisst, teilweise kommt es sogar zu Kannibalismus, bei dem adulte Tiere Jungtiere der eigenen Art töten und fressen (Chandrahas and Krishnaswami 1974; Nowak 1999).
Unterschiede zwischen den einzelnen Arten gibt es bei der Fortpflanzung. Während sich die meisten Arten wie die Hochland-Rennmaus (Tatera brantsii) das ganze Jahr über fortpflanzen (Stiemie 1981), gibt es bei einigen Arten, z.B. der Kap-Rennmaus, eine klar definierte Brut-saison. Die Wurfgröße schwankt bei den Nacktsohlenrennmäusen zwischen 4 und 8 Jungtie-ren, die nach einer Tragzeit von durchschnittlich 22,5 Tagen geboren.
Die Nacktsohlenrennmäuse in Menschenobhut
Zu den wenigen Arten der Gattung Tatera, die regelmäßig gehalten werden, zählt die indische Nacktsohlenrennmaus (Tatera indica). Mit einer Körperlänge von 17 cm und einem Schwanz der bis zu 20cm lang werden kann, erreicht sie die Größe einer Ratte. Rattenähnlich ist auch die Statur der Tiere, deren Schwanz nur spärlich behaart ist. Auch die großen Ohren erinnern eher an eine Ratte als eine Rennmaus. Indische Nacktsohlenrennmäuse lassen sich problemlos in Gruppen halten und auch nachziehen.
Allerdings scheinen die Tiere wählerisch bei der Partnerwahl zu sein, da es immer wieder Paare gibt, bei denen der Nachwuchs ausbleibt. Hat man jedoch ein gut harmonierendes Paar stellt die Zucht keinerlei Probleme dar. Auch an die Fütterung stellen diese Nacktsohlenrennmäuse keine großen Ansprüche, aufgrund ihres höhe-ren Bedarfs an carnivorer Nahrung ist es allerdings angebracht, denn Tieren einen höheren Anteil an tierischem Eiweiß anzubieten. Dabei stellen sie sich als nicht besonders wählerisch heraus, sie nehmen sowohl Katzentrockenfutter als auch Insekten- oder Eifutter, Mehlwürmer oder Heuschrecken problemlos an. Meine Tiere waren besonders begeistert, wenn ich ihnen unbefruchtete Eier von Zebrafinken (Taeniopygia guttata) angeboten habe, welche restlos aufgefressen wurden.
Neben dem Vorteil der Verträglichkeit, der leichten Züchtbarkeit und der unkomplizierten Ernährung weisen indische Nacktsohlenrennmäuse leider auch einen gravierenden Nachteil auf. Sie sind recht nervöse Tiere, die bei jeglicher Störung sofort panikartig fliehen. Dabei erkennen sie die Glaswände des Terrariums nicht als Hindernis, weshalb durch geschickte Gestaltung des Beckens mit Wurzeln und Steinen verhindert werden muss, dass sich die Tiere bei der Flucht ernsthaft verletzen.
Die Käfiggröße sollte für ein Paar dieser doch recht großen Rennmäuse 100x50cm betragen. Ideal für die Haltung sind Aquarien mit Deckel oder spezielle Nagerterrarien. Da die Tiere über ein enormes Nagebedürfnis verfügen ist ein Käfig aus Holz oder Kunststoff eher ungeeignet. Beim Öffnen des Käfigs muss beachtet werden, dass die indischen Nacktsohlenrennmäuse dazu neigen in den Ecken raketengleich hochzuschnel-len, weshalb es sich bei Aquarien bewährt hat, die Abdeckung mit einer mittig angebrachten Öffnung zu versehen. Als Bodengrund kann man normale Kleintierstreu verwenden, allerdings sollte man en Rennmäusen dann regelmäßig ein Sandbad zu Verfügung stellen.

Vor einigen Jahren kamen einige Arten der Nacktsohlenrennmäuse aus Tansania nach Deutschland, unter ihnen auch die Hochland-Rennmaus (Tatera brantsii). Sie erreicht eine ähn-liche Größe wie die indischen wirkt aber deutlich kräftiger und gedrungener. Ihr Fell ist auf dem Rücken dunkelbraun, der Schwanz kurz behaart und dunkel. Im Gegensatz zur indischen Nacktsohlenrennmaus ist die Hochland-Rennmaus eher ruhig und verfällt bei Furcht in eine Starre. Aufgrund ihres feineren Fells ist eine Haltung auf Sand anzuraten. Leider befinden sich nur noch wenige Tiere in Menschenobhut, so dass zu befürchten ist, dass diese Art demnächst wieder ganz aus den Liebhaberbeständen verschwindet, zumal sich ihre Zucht als schwierig erwiesen hat und mit weiteren Importen nicht mehr zu rechnen ist.

Zusammen mit der Hochland-Rennmaus erreichte auch die Buschland-Rennmaus (Tatera leucogaster) Deutschland. Diese Art ist mit 12 cm deutlich kleiner als die vorgenannten Arten, auch wirkt sie wesentlich schlanker. Aufgrund ihrer Größe und dem eher ruhigen Verhalten ist eine Käfiggröße von 80x40 cm für diese Art ausreichend. Als Grundfutter hat sich ein Gemisch aus Wellensittichfutter und Grassamen bewährt, um den Flüssigkeits- und Vitamin-bedarf der Tiere zu decken sollte zusätzlich Grünfutter in Form von Möhren, Sellerie und ähn-lichem gereicht werden. Leider wird diese interessante Rennmaus kaum noch gepflegt, even-tuell ist sie sogar schon ganz aus den Beständen der Liebhaber verschwunden.
Von den kleineren Taterillus-Arten wird heute vor allem Harrington´s Rennmaus (Taterillus harringtoni) gehalten und gezüchtet. Mit einer Länge von 9 cm gehört sie zu den kleinsten Rennmausarten. Die anfangs sehr hektischen Tieren werden bei behutsamem Umgang schnell zutraulich. Da sie sehr lebhaft sind ist, sollte der Käfig mindestens von 60x40cm groß sein. Als Bodengrund empfiehlt sich Sand, da ansonsten das Fell der Tiere schnell verfettet.
Bedingt durch die geringe Größe der Tiere sollte das Futter hauptsächlich aus Kleinsämereien enthalten. Zur Zucht sollten die Tiere paarweise gehalten werden, da es bei Gruppenhaltung zu heftigen Streitereien in der Gruppe kommen kann.

Kaum noch gehalten wird die Antilopenmaus (Taterillus emini), welche in den 1980er Jahren häufiger bei Liebhabern anzutreffen war. Restbestände dieser Art sind noch in den Niederlanden und evtl. in England anzutreffen, ob sie aber ausreichen, die Art dauerhaft in Menschenobhut zu erhalten ist fraglich.
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