Ginsterkatzen

Ginsterkatzen
Genetta spec.

Haltung - Fütterung - Zucht
Ginsterkatzen – Artenreine Zucht mit Schwierigkeiten
Die Ginsterkatzen (Genetta) gehören zu der etwa 30 Arten umfassenden Familie der Schleichkatzen (Viverridae), innerhalb deren sie in die Unterfamilie Zibetkatzen (Viverrinae) gestellt werden. Allen Arten dieser Unterfamilie sind die Perianaldrüsen gemeinsam, die ein moschusartiges Sekret (Zibet) produzieren, welches in der Parfümindustrie von Bedeutung war und vereinzelt auch noch ist.
Die Gattung Genetta selber umfasst 14 Arten in 4 Untergattungen, wobei inzwischen der Status der Wasserzivette (G. piscivora) unklar ist, weshalb sie teilweise auch in die monotypische Gattung Osbornictis eingeordnet wird. Beheimatet sind die Ginsterkatzen auf dem Afrikanischen Kontinent sowie der Arabischen Halbinsel. Eine Art, die Kleinfleck-Ginsterkatze (G. genetta) hat ein auch nach Europa reichendes Verbreitungsgebiet, wo sie in Portugal und Spanien sowie dem südlichen Frankreich beheimatet ist. Ob sie dort ursprünglich vorkam oder erst durch den Menschen eingeführt wurde ist bis heute umstritten.

In Menschenobhut sind vor allem Vertreter der Untergattung Genetta zu finden, daneben mit der Haussa-Ginsterkatze (G. thierryi) ein Vertreter der Untergattung Pseudogenetta. Vor wenigen Jahren soll zudem mit der Liberia-Genette (G. johnstoni) ein Vertreter der Untergattung Paragenetta nach Deutschland gelangt sein, leider ist über den Verbleib der Tiere sowie deren genauen Artstatus nichts bekannt geworden.

Überhaupt ist es um die Ginsterkatzen in jüngster Zeit recht still geworden. Waren sie eine Zeitlang recht beliebt, sind sie inzwischen deutlich seltener anzutreffen. Vor allem in zoologischen Einrichtungen werden sie nur vereinzelt gezeigt, was sicherlich daran liegt, dass die nachtaktiven Tiere meist sehr scheu sind und sich dem Besucher somit kaum zeigen. So sind es die privaten Halter und Züchter, die die Bestände mit ihren Nachzuchten aufrechterhalten und sich erfolgreich um die nicht immer ganz einfache Zucht dieser schönen Schleichkatzen kümmern.
Haltung
Laut Mindestgutachten zur Haltung von Säugetieren wird für ein Paar Ginsterkatzen ein Gehege von 12 qm benötigt. Will man mit den Tieren züchten, sollte dies so gestaltet werden, dass ein tragendes Weibchen isoliert werden kann, da es oftmals erforderlich ist, das Paar vor der Geburt der Jungtiere zu trennen. Eine Gehegehöhe von 2,5 m oder mehr ist sinnvoll, um den Tieren die Möglichkeit zu Klettern bieten zu können. Zur Ausstattung des Geheges zählen neben zahlreichen Ästen zum Klettern auch mindestens zwei Schlafboxen pro Paar und genügend Heu als Polstermaterial.
Eine Außenhaltung ist sinnvoll und möglich, allerdings muss den Tieren dann einen geräumigen Innenraum mit min. 18°C zur Verfügung stehen. Zwar kommen Ginsterkatzen durchaus mit kalten Temperaturen klar, gegenüber der bei uns vorherrschenden kalten Nässe sind sie jedoch sehr empfindlich. 
Zucht
Ginsterkatzen vermehren in Menschenobhut ebenso wie in der Natur ganzjährig, wenn sie ideale Bedingungen für die Jungenaufzucht vorfinden. Hierzu zählt in Gehegehaltung vor allem Ruhe. Paare, die ständig Stress und Lärm ausgesetzt sind, züchten nur in Ausnahmefällen nach. Während Ginsterkatzen normalerweise recht leise sind, werden sie in der Zeit der Rolligkeit hingegen recht geräuschintensiv. Vor allem in dieser Phase gilt es Augenmerk auf die Verträglichkeit der Tiere zu legen, da es durchaus zu schweren Verletzung und Verlusten kommen kann, wenn ein sehr ruppiger Kater nicht rechtzeitig abgetrennt wird. Und spätestens in jetzt zeigt sich, dass eine kluge Vorausplanung des Geheges Gold wert sein kann, wenn man die Katzen ohne Einfangen separieren kann.
Ist die Paarung erfolgt werden nach einer Tragzeit von 56 bis 77 Tagen die blinden, aber behaarten Jungtiere geboren.
Vor allem jetzt gilt es, dem Muttertier Ruhe zu gönnen, denn in lauter oder hektischer Umgebung werden die Würfe meist gefressen oder die Jungen so oft von einer Schlafbox in die nächste getragen, bis sie eingehen.

Neben diesen haltungstechnischen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zucht, ist es vor allem die artenreine Zusammenstellung von Zuchtpaaren, die den Halter vor Schwierigkeiten stellt, denn die Bestimmung der jeweiligen Art ist mit Ausnahme von G. thierryi recht schwierig.
Probleme bei der Artbestimmung
Tatsächlich ist es schwierig, zwei artgleiche Tiere zu finden und zu verpaaren. Während dies bei den Zwergginsterkatzen (G. thierryi) noch recht einfach ist, da diese sich deutlich von den anderen in Deutschland gehaltenen Arten unterscheiden, ist dies bei den Arten der Untergattung Genetta nicht immer einfach. Vor allem die Kleinfleck-Ginsterkatze (G. genetta) variiert aufgrund ihres Verbreitungsgebietes erheblich in der Färbung, sodass eine genaue Artbestimmung schwierig ist. Das Wissen um die genaue Herkunft ist hierbei ein wichtiger Faktor, der bei der Einordnung der Art helfen kann. Fehlt dieses, ist es erheblich schwerer, eine Artbestimmung vorzunehmen, da es fließende Übergänge in der Färbung zwischen Unterraten und Arten gibt. So wird z.B. die Großfleck-Ginsterkatze (G. maculata) teilweise auch als Unterart der Südliche Großfleck-Ginsterkatze (G. tigrina) angesehen, da sie sich äußerlich kaum unterscheiden. Erschwerend kommt hinzu, dass es bei nahezu allen Arten Schwärzlinge gibt, bei denen die Artbestimmung nahezu unmöglich ist, wenn nicht die genaue Herkunft bekannt ist.
Die Arten im Einzelnen – die Zwerg-Ginsterkatze
Die Haussa-Ginsterkatze (G. thierryi), wie die Zwerg-Ginsterkatze ebenfalls genannt wird, ist im südlichen Westafrika beheimatet, wobei das bisher bekannte Verbreitungsgebiet deutliche Lücken aufweist. Sichtungen sind bekannt aus dem Senegal, Guinea, Sierra Leone, Ghana der Elfenbeinküste sowie Benin, Burkina Faso, Kamerun, Mali, Nigeria und Togo. Mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 36–45 cm zählt sie tatsächlich zu den kleinsten Vertretern der Ginsterkatzen, lediglich die taxonomisch umstrittene Wasserzivette weist ähnliche Körpermaße auf. Auch das geringe Gewicht von maximal 1,5 kg macht G. thierryi zum Zwerg innerhalb der Gattung.
Die Färbung der Haussa-Ginsterkatze ist nicht so kontrastreich wie bei vielen anderen Arten. Die Grundfärbung ist grau-beige bis hellbraun, auf dem Rücken ist meist ein rötlich-brauner Aalstrich vorhanden, der mittig von einem helleren Streifen unterbrochen wird. Auch die Flecken, die recht klein und linienartig angeordnet sind, erscheinen rötlich-braun und nicht schwarz wie bei vielen anderen Arten. Die hellen Flecken im Gesicht sind klein und nicht stark kontrastiert. Der Schwanz ist geringelt, wobei sich schwarze ins rötlich braun verlaufende Streifen mit körperfarbenen Streifen abwechseln. Zum Ende des Schwanzes hin nimmt die Breite der dunklen Streifen zu.

Insgesamt ist das Fell sehr kurz, auch fehlt ein aufstellbarer Kamm aus verlängerten Haaren auf dem Rücken.
Die Kleinfleck-Ginsterkatze
Die Kleinfleck-Ginsterkatze ist die Vertreterin ihrer Gattung mit dem größten Verbreitungsgebiet. Sie ist auf dem afrikanischen Kontinent zuhause, ebenso auf der Arabischen Halbinsel (Oman, Jemen, Sausi Arabien) sowie Europa (Spanien, Portugal, Frankreich). Vereinzelt wurden sogar freilebende Exemplare in Belgien, den Niederlanden, Italien und sogar Deutschland gefunden (GAUBERT ET AL. 2005). Aufgrund des riesigen Verbreitungsgebietes haben sich zahlreiche Unterarten herausgebildet. LARIVIÈRE und CALZADA geben 10 Unterarten an, wobei sie sich auf frühere Publikationen berufen (LARIVIÈRE & CALZADA 2001), GAUBERT benennt hingegen 28 Unterarten gefunden (GAUBERT ET AL. 2005). Aufgrund dieses gewaltigen Unterschieds scheint eine Revision der Art angebracht.
G. genetta besitzt eine schwarze Dorsallinie, die aus längeren, bei Erregung aufstellbaren Haaren bestehen. Das Fell ist je nach Herkunft graubraun bis taubengrau und besitzt eine dichte, weiche Unterwolle. Im Nacken befinden sich 5 bis 7 unregelmäßige Streifen und an Rücken und Flanken zeigt G. genetta 5 Reihenmit Flecken auf jeder Körperseite. Der Schwanz besitzt 8-13 schwarze Ringe, deren Breite gleichbleibend ist, und ist ansonsten hell gefärbt, dies gilt auch für die Spitze. Die Seiten der Schnauze sowie Kinn und Unterlippe sind weiß (GAUBERT ET AL. 2005), die Augen sind von weißen Flecken eingerahmt und bilden einen deutlichen Kontrast zu den schwarzen Wangenstreifen. Andere Autoren geben an, dass das Kinn bei G. genetta schwarz sein und nur bei G. tigrina weißlich gefärbt ist.
Die Großfleck-Ginsterkatze
Die Großfleck-Ginsterkatze (G. maculata) galt lange Zeit als Unterart der Südlichen Großfleck-Ginsterkatze (G. tigrina), inzwischen ist sie aber als eigene Art anerkannt (GAUBERT ET AL. 2003). Insgesamt wurden 19 Unterarten beschrieben, die aber bisher nicht anerkannt wurden. Aufgrund des großen Verbreitungsgebietes ist das Auftreten von Unterarten aber nicht unwahrscheinlich. G. maculata hat fast den gesamten Raum südlich der Sahara besiedelt. Lediglich in Teilen von Namibia, Südafrika und Botswana fehlt sie.
Wie für Ginsterkatzen typisch besitzt G. maculata eine dunkle Dorsallinie, die der Färbung der Spots entspricht, die von schwarz bis rostbraun variieren. Die kurzen Haare der Dorsallinie lassen sich nicht als Kamm aufstellen. Die dunklen Flecken auf Rücken und Seite sind klar voneinander abgegrenzt und verschwimmen nicht ineinander. Auch Hinter- und Vorderbeine sind deutlich gefleckt. Die Füße besitzen Fellfarbe, nur der hintere Bereich der Hinterpfoten ist mit dichtem dunklem Haar bedeckt. Die Farbe des Fells kann sehr stark variieren und reicht von sandgelb bis grau. Mit 45 bis 52 cm Kopf-Rumpf-Länge erreicht sie die gleiche Größe wie G. genetta. Dabei sind Männchen meist etwas größer als Weibchen. Der Schwanz ist geringelt und besitzt sieben bis neun helle und dunkle Ringe, wobei die hellen Ringe etwas schmaler als die dunklen Ringe sind. Die Schwanzspitze ist dunkel. Die Färbung des Gesichts ist ebenso kontrastreich wie bei G. genetta. Großfleck-Ginsterkatzen besitzen eine deutliche, dunkle Maske sowie eine dunkle Linie im Bereich der Schnauze. Unterhalb und oberhalb der Augen zeigen sie weiße Flecken.
Die südliche Großfleck-Ginsterkatze
Obwohl als Großfleck-Ginsterkatze bezeichnet ist die Unterscheidung von G. genetta nicht so einfach, wie es oftmals dargestellt wird, da G. genetta erheblich in Färbung und Fleckengröße variiert. Beheimatet ist die Südliche Großfleck-Ginsterkatze in Südafrika und dort ist sie nur im äußersten Süden vom Westkap bis zur ehemaligen Provinz Natal zu finden. Bisher wurden vier Unterarten beschrieben, aber nur G. tigrina methi gilt als gesichert.
Der typische Aalstrich besteht bei G. tigrina aus längerem Haar als bei G. maculata, diese sind bei Erregung auch aufstellbar. Die sich dabei bildende Bürste ist aber deutlich kürzer als bei G. genetta. Ein weiterer Unterschied zu G. maculata ist die Färbung des Aaltrichs, der bei G. tigrina immer schwarz ist.

Mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 46–58cm ist G. tigrina etwas größer als G. maculata. Die deutlich sichtbaren Nackenstreifen lösen sich zu einem ventral immer kleiner werdenden Punktmuster auf. Der Schwanz weist 7-8 helle Ringe auf, die sich mit dunklen Ringeln abwechseln, die Schwanzspitze ist schwarz. Die Rückseiten der Vorderpfoten sind dunkel gefärbt, die Hinterpfoten sind komplett dunkel. Wie die meisten Ginsterkatzen weist auch G. tigrina eine Gesichtszeichnung auf, die aus einer schwarzen Maske und weißen Über- und Unteraugenflecken besteht.
Reinerhaltung der Arten
Aufgrund der teilweise sehr begrenzten Verfügbarkeit von Ginsterkatzen und der schweren Unterscheidbarkeit der Arten ist es in jüngster Zeit immer wieder zur Verpaarung von Tieren unterschiedlichen Arten gekommen. Verstärkt wurde dies noch durch die Einfuhr der bei vielen Haltern so beliebten melanistischen Tiere, bei denen eine Artbestimmung kaum möglich ist.

Um Ginsterkatzen langfristig artenrein in Menschenobhut zu erhalten ist es deshalb unabdingbar, die vorhandenen Tiere genau zu bestimmen und eventuell vorhandene Mischlingspaare zu trennen sowie Mischlinge aus der Zucht auszuschließen. Hierfür ist aber die genaue Herkunft bzw. das Ursprungsland der Tiere eine fast unerlässliche Information, leider ist diese aber oftmals unbekannt. Und so ist zu befürchten, dass es schon in kurzer Zeit kaum noch artenreine Ginsterlatzen in den europäischen Beständen geben wird, zumal sich auch unter den Ginsterkatzenhaltern nur einige wenige ernsthaft um die Artbestimmung ihrer Tiere kümmern.

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