Fettschwanz-Rennmaus

Fettschwanz-Rennmaus
Pachyuromys duprasi

Haltung - Fütterung - Zucht
Fettschwanz-Rennmäuse (Pachyuromys duprasi) gehören zu den ungewöhnlichsten Erschei-nung unter den Rennmäusen. Auf den ersten Blick mag man sogar zweifeln, ob die Fett-schwanz-Rennmaus tatsächlich zu den Rennmäusen gehört. Während andere Rennmäuse meist schlanke, langschwänzige Tiere mit langen und kräftigen Hinterbeinen sind, ist die Körperform der Fettschwanz-Rennmäuse hingegen eher rundlich und plump, wozu neben der Körperform auch ihre kurzen Beine beitragen. Das auffälligste Merkmal ist aber der kurze, keulenförmige Schwanz, der nahezu nackt ist. Er passt überhaupt nicht in das Bild einer Rennmaus und wirkt eher so, als sei man auf ihn drauf getreten. Auch die kurze und spitze Schnauze erinnert eher an einen Hamster, denn an eine Rennmaus.
Aber nicht nur im Aussehen, auch im Verhalten unterscheiden sich die Fettschwanz-Rennmäuse von anderen Rennmausarten. Während die meisten Rennmäuse sehr aktive und aufmerksame Tiere sind, sind Fettschwanzrennmäuse eher träge und verschlafen den größten Teil des Tages. Dabei schlafen sie ausgestreckt auf dem Rücken liegend, sodass sie beim ers-ten Hinschauen den Eindruck eines toten Tieres erwecken. Werden sie im Schlaf berührt, dauert es bis zu einer halben Minute, bis sie darauf überhaupt reagieren. Im Vergleich zu Rennmäusen der Gattung Gerbillus oder Tatera zeigen sie deutlich weniger Scheu dem Men-schen gegenüber, weshalb sie sich leicht zähmen lassen. Auf die Hand genommen, bleiben sie meist vollkommen ruhig sitzen. Allerdings gibt es auch Exemplare, die sehr aggressiv und mit Bissen auf jede Annäherung reagieren.
Systematik und Aussehen
Die Fettschwanz-Rennmäuse ist die einzige Art der Gattung Pachyuromys (Dickschwanz-Rennmäuse). Sie ist 110 – 130 mm groß, der Schwanz erreicht eine Länge von 45 bis 60mm.
Das Fell der Tiere ist lang und extrem weich und variiert in Abhängigkeit von der Unterart in der Färbung. Die aus Algerien stammende Nominatform ist oberseits sandfarben gefärbt und weist ein mehr oder weniger starkes Ticking auf. Im Gegensatz dazu sind Exemplare der ägyptischen Unterart Pachyuromys d. natronensis grau gefärbt, vor allem als juvenile Tiere.
Mit zunehmendem Alter werden aber auch diese Tiere sandfarben, wobei sie stets dunkler bleiben, als die aus Algerien stammenden Exemplare. Leider wurde beide Unterarten miteinander gekreuzt, sodass es heute eine Vielzahl an Unterartenmischlingen gibt, die in der Färbung stark streuen. Die Unterseite und die Füße sind bei allen Unterarten weiß. Ebenso wie die Ohren sind auch die Sohlen der Fettschwanz-Rennmaus nur sehr spärlich behaart.
Der namensgebende Schwanz ist fast nackt und nur mit einzelnen sandfarbenen Haaren besetzt. Er ist sehr kurz und ungewöhnlich dick,was daran liegt, dass er den Fettschwanz-Rennmäusen als Speicherorgan für Fett und Wasser dient. Er ist ein wichtiges Indiz für den Gesundheitszustand der Tiere. Gesunde Exemplare besitzen einen dicken, glatten Schwanz, während ein dünner, faltiger Schwanz auf eine Erkrankung oder mangelnde Fütterung schließen läßt.

Fettschwanz-Rennmäuse können ein für einen so kleinen Nager sehr erstaunliches Alter von bis zu 7 Jahren erreichen. Untersuchungen haben ergeben, dass vor allem der Abnutzungsgrad der Molaren (Backenzähne) ein für das Lebensalter limitierender Faktor ist.
Freileben
Die Heimat der Fettschwanz-Rennmäuse sind die Wüstengebiete Nordafrikas, die nur spärlich bewachsen sind. Neben sandigen Gebieten bewohnen die Tiere auch steinige Hänge, in denen sie sich – trotz ihrer plumpen Gestalt – recht geschickt fortbewegen.
Über die Lebensweise der Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum gibt es sehr unterschiedliche Angaben. Während die Mehrzahl der Autoren sie als einzelgängerisch bezeichnet, erwähnen andere Autoren, dass die Tiere in kleinen Gruppen zusammen leben. Sehr wahrscheinlich han-delte es sich bei diesen Gruppen um Familien, d. h ein Weibchen mit mehreren Jungtieren. Eventuell kommt es aber auch bei besonders gutem Nahrungsangebot zu einem losen Zu-sammenschluss. Beobachtungen an Tieren in Menschobhut lassen zumindest bei der ägypti-schen Unterart eher auf ein einzelgängerische Lebensweise schließen.

Auch bezüglich des Baus der Fettschwanz-Rennmaus gibt es widersprüchliche Aussagen. So wird sowohl von sehr einfachen Bauen mit einem Eingang und einem oberflächennahen Nestbereich als auch von komplexen Bauen mit mehreren Eingängen berichtet. Da Fett-schwanz-Rennmäuse gerne auch Baue anderer Nager (vor allem der im gleichen Lebensraum vorkommenden Rennmausarten) besetzen, ist anzunehmen, dass die einfacheren Baue von den Tieren selber gegraben werden, während die komplexeren eher durch Besetzen eines fertigen Baus in Besitz genommen wurden.

Bei der Nahrung sind Fettschwanz-Rennmäuse recht konservativ. Untersuchungen an Tieren der ägyptischen Population ergaben, dass im Wesentlichen zwei Pflanzen (Anabasis articulata und Artemisia monosperma) gefressen werden. Allerdings macht pflanzliche Nahrung nur etwa die Hälfte der Nahrung aus, denn neben Pflanzen ernähren sich die Tier vor allem von Insekten. Auch Schnecken werden nicht verschmäht. Ist das Nahrungsangebot im Winter be-sonders schlecht, fallen die Tiere in einen kurzen Winterschlaf.
Haltung und Ernährung
Wenn auch der Bewegungsdrang der Fettschwanz-Rennmaus im Kontrast zu anderen Arten dieser Familie weniger stark ausgeprägt ist, sollte das Gehege eine Mindestgröße von 80 x 40 cm nicht unterschreiten. Denn vor allem Männchen entwickeln während der Fortpflanzungs-periode eine erstaunliche Agilität und legen größere Strecken zurück. Deshalb empfiehlt sich auch das Einbringen eines Laufrades in das Gehege. Eine Gehegehöhe von 40cm ausreichend, da Fettschwanz-Rennmäuse nur wenig klettern.
Aufgrund ihres feinen Fells benötigen die Tiere ständig Sand, um ein Verfetten des Fells zu verhindern. Deshalb sollten die Fettschwanz-Rennmäuse möglichst auf Sand gehalten werden. Dabei kann man entweder auf ein Gemisch aus Vogelsand (ohne Anis) und Chinchillasand zurückgreifen oder man verwendet Quarzsand, dem man entweder Talkum oder Urgesteins-mehl beimischt, um die Aufnahmekapazität für Feuchtigkeit zu erhöhen. Natürlich können Fettschwanz-Rennmäuse auch auf Kleintierstreu gehalten werden, dann muss aber unbedingt ein Sandbad zur freien Verfügung dauerhaft vorhanden sein.

Bei der Ernährung der Fettschwanz-Rennmaus sollte der höhere Anteil an Insekten im natür-lichen Nahrungsspektrum beachtet werden. Aus diesem Grund muss der Anteil an Insekten-futter bzw. Lebendfutter deutlich höher sein, als bei anderen Rennmausarten. So erhalten meine Tiere täglich zwei Melwürmer oder zwei Heimchen pro Tier. Zusätzlich erhalten die Tiere ein Gemisch aus Wellensittich- und Kanarienvogelfutter, welches durch Gras- oder Un-krautsämereien ergänzt wird. Wildkräuter, vor allem Vogelmiere und Löwenzahn, werden ebenfalls gerne angenommen.


Vergesellschaftung
Bei der Vergesellschaftung von Fettschwanz-Rennmäusen gibt es sehr unterschiedliche Erfah-rungen. Während besonders die ersten frisch importierten Tiere kaum zu vergesellschaften waren, da sie sich sofort angriffen, können die heute bei uns gehaltenen Fettschwanz-Rennmäuse meist paarweise gehalten werden. Eventuell hat hier die Zuchtauslese auf friedli-chere Tiere bereits erste Früchte gezeigt. Vor allem Tiere der Nominatform lassen sich meist problemlos vergesellschaften und leben dann auch friedlich miteinander. Die grauen, aus Ägypten stammenden Tiere, scheinen hingegen etwas aggressiver zu sein, weshalb hier das Zusammenstellen von Paaren etwas mehr Fingerspitzengefühl und Geduld erfordert.

Streitende Fettschwanz-Rennmäuse beißen sich bevorzugt gegenseitig in den Schwanz, wobei sie laut quieken. Die Verletzungen des Schwanzes können dabei so schwerwiegend sein, dass es zu Infektionen und dem Verlust des Schwanzes kommt. Deshalb müssen Tiere, bei denen es zu ernsthaften Beißereien kommt, unbedingt getrennt werden. Betrommeln sich die Tiere lediglich mit den Vorderpfoten (auch dabei quieken sie), sind die Streitigkeiten harmlos und die Tiere müssen nicht getrennt werden.
Zucht
Die Vorraussetzung für eine erfolgreiche Zucht ist ein harmonierendes Paar. Was sich trivial anhört, bereitet allerdings vielen Züchtern Probleme, den oftmals bleiben Paare, die augen-scheinlich harmonieren, ohne ersichtlichen Grund ohne Nachwuchs. In einem solchen Fall hilft es meistens, einen der Partner auszutauschen. In einigen Fällen reicht es aber auch aus, dass Männchen für 1 – 2 Wochen aus dem Gehege zu entfernen, um den Paarungstrieb auszulösen.
Bei der Zusammenstellung von Paaren sollte auf Unterartenreinheit geachtet werden, dass heißt, es sollten nur Tiere miteinander verpaart werden, die die gleiche Färbungsvariante auf-weisen. Im Hinblick auf das einfachere Handling, sollten zudem nur solche Tiere in der Zucht Verwendung finden, die sich ohne Probleme verpaaren lassen. Hat sich ein Paar aber erst einmal zusammengefunden, lässt der erste Wurf meist nicht länger auf sich warten.

Zum Paarungsverhalten der Fettschwanz-Rennmaus gehört ein ritualisierter Kampf, bei dem beide Partner auf den Hinterbeinen stehen und mit den Vorderpfoten miteinander ringen, wo-bei sie deutlich Quietschen. Ist das Weibchen nicht in Paarungsstimmung, dreht es sich um und bewirft das Männchen mit Einstreu, die es mit den Hinterbeinen schleudert. Ist die Paa-rung erfolgt, werden nach 19 – 22 Tage die Jungen geboren, wobei die Wurfgröße zwischen 3 und 9 Jungtieren schwanken kann. Mit 3 – 4 Wochen werden die Jungen selbstständig, verbleiben aber noch im Familienverbund.

In vielen Fällen vertreibt das Weibchen das Männchen während der Aufzucht aus dem ge-meinsamen Nest. Solange es dabei nicht zu ständigen Attacken gegen das Männchen kommt, ist dies kein Anlass zur Sorge. Bemerkt man jedoch ernsthafte Verfolgungsszenen, ist es bes-ser, das Männchen aus dem Gehege zu entfernen. Da es inzwischen ausreichend friedliche Weibchen gibt, sollten solch aggressiven Tiere nicht mehr zur Zucht verwandt werden.

Leider kommt es manchmal auch dazu, dass die Weibchen die Jungtiere fressen. Die Ursachen können unerfahrene Weibchen, mangelnde Eiweißversorgung oder die Störung des Weibchens im Nestbereich sein. Tritt dieses Verhalten mehr als einmal aus und wurden alle möglichen Fehlerquellen beseitigt, muss das betreffende Tier aus der Zucht genommen werden. Auch eventuell über Ammenaufzucht gerettete Jungtiere sollten nicht zur Zucht verwandt werden, um eine mögliche Vererbung des Verhaltens zu verhindern.
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