Dsungarischer Zwerghamster

Dsungarischer Zwerghamster
Phodopus sungorus

Haltung - Fütterung - Zucht
Dsungarische Zwerghamster bewohnen die nördlichen, mittleren und östlichen Steppen Asiens. In seiner Heimat fällt der Dsungarische Zwerghamster in einen langen Winterschlaf. Vorher legt er tiefe Vorratskammer und Schlafnester an. Im Norden seines Verbreitungsgebiets färbt sich er während des Winters ganz oder teilweise in weiß um. Typisch für diesen Zwerghamster ist die so genannte Dreibogenlinie, die den weißen Unterbauch vom grauen, mit einem schwarzen Aalstrich versehenen Rücken trennt. Er ist hauptsächlich nachtaktiv und durchstreift dann meist alleine sein Revier. Zum Schlafen schließen sie sich jedoch häufig zu größeren Schlafgemeinschaften zusammen.
Gemeinschaftshaltung ja oder nein?
Ein wichtiger Punkt für die Haltung in Gruppen ist  die Herkunft der Tiere. Es gibt mittlerweile einige sehr friedliche Stämme, die in Gruppen gehalten und gezüchtet werden können. So konnte ich bei einem namhaften Züchter sowohl Dsungarische als auch Campbell-Zwerghamster in gemischtgeschlechtlichen Gruppen von bis zu 15 Tieren sehen, die erfolgreich nachzogen. Keines dieser Tiere wies Bissverletzungen auf. Bei den im Zoofachhandel angebotenen Tieren handelt es sich jedoch in den meisten Fällen um Tiere, die entweder aus Massenzuchten oder aus ungewollter Vermehrung stammen, die nicht auf Gruppenverträglichkeit hin gezüchtet wurden. Folgende Regeln sollten grundsätzlich bei Gruppenhaltung beachtet werden:
  1.  Die Gruppe sollte aus Jungtieren zusammengestellt werden. Wenn möglich, sollte es sich um Nestgeschwister handeln.  Der Käfig für eine Gruppe sollte deutlich größer als der eines Einzeltiers und gut strukturiert sein, um den Tieren Rückzugsmöglichkeiten zu gewähren. Dementsprechend muss sich auch die Anzahl der Schlafhäuser nach der Anzahl der Bewohner richten und jedem Tier eigene Schlafmöglichkeiten bieten.
  2.  Es sollten zusätzliche Käfige vorhanden sein, um evtl. unterlegene Tiere aus der Gruppe nehmen zu können.    Gruppenhaltung erfordert genaue Beobachtung, damit evtl. auftretende Aggressionen frühzeitig erkannt werden.    Kranke Tiere müssen sofort aus der Gruppe entfernt werden, da sonst die ganze Gruppe erkranken kann.   Ein Zurücksetzen vorher entfernter Tiere in die Gruppe ist meist nicht möglich, da diese Tiere nicht mehr von der Gruppe akzeptiert werden.
  3.   Es müssen mehrere Futterstellen angeboten werden, damit auch rangniedere Tiere ausreichend Nahrung erhalten.

Weitere Informationen zum Sozialverhalten der kurzschwänzigen Zwerghamster finden Sie hier.

Paarhaltung ist bei den meisten Zwerghamsterarten gut möglich - man muss dann natürlich auch Nachwuchs einkalkulieren. Bei der Paarhaltung stellen sich ähnliche Fragen wie bei der Gruppenhaltung. Wenn man keinen Nachwuchs haben möchte, sollte man stets zwei gleichgeschlechtliche Tiere halten. Dies ist sowohl mit Männchen, als auch mit Weibchen möglich. Allerdings kann es auch hier zu Problemen kommen.  Bei der Paarhaltung gelten dieselben Regeln, die auch bei der Gruppenhaltung zu beachten sind.

Da es sich bei verschiedenen Zwerghamsterarten zumindest zeitweilig um Einzelgänger handelt, ist Einzelhaltung wohl nicht in dem Sinne als Tierquälerei anzusehen, wie sie es bei sozialeren, stets im Familienverband lebenden Arten wie verschiedenen Rennmäusen wäre, doch sollte sie nicht die bevorzugte Haltungsform sein. Im Gegensatz zu Syrischen Goldhamstern haben Kurzschwänzige Zwerghamster jedenfalls auch in der Natur häufigeren Kontakt zu Artgenossen, Campbell-Zwerghamstern schließen sich sogar lebenslang zu festen Paaren zusammen, so dass eine Einzelhaltung sicher einen deutlichen Eingriff in das natürliche Sozialverhalten darstellt.

UNTERBRINGUNG

Für die Haltung von Zwerghamstern eignen sich am besten umfunktionierte Aquarien. Sie erlauben die beste Sicht auf die kleinen Pfleglinge ohne störende Gitterstäbe und verhindern, dass Einstreu aus dem Käfig herausgescharrt wird. Handelsübliche Gitterkäfige weisen meist einen zu großen Gitterabstand auf, so dass sich besonders junge Hamster durch die Gitterstäbe zwängen können. Aber auch bei ausgewachsenen Zwerghamstern wundert man sich immer wieder, durch welch kleine Lücken sie sich noch zwängen können.


Eine abwechslungsreich und klar strukturierte Behausung ist die Grundlage für eine artgerechte Haltung. Die Mindestgröße für ein Zwerghamstergehege beträgt nach TVT-Vorgaben 80 x 40 cm², hier sollte man aber eher Abmessungen ab 1,0 x 0,5 m² wählen. Besonders bei Aquarien kann man über den Einbau von Etagen eine wesentlich bessere Raumnutzung erreichen und den Pfleglingen ein interessant strukturiertes Heim bieten.

Da Zwerghamster entgegen anders lautender Aussagen durchaus ihre Nagezähne auch an der Käfigeinrichtung ausprobieren, sollte man auf Plastik im Käfig völlig verzichten. Dies gilt auch für behandeltes Holz bzw. beschichtete Spanplatten. Möchte man diese Materialien dennoch verwenden, sollten Kanten mit Alu-Schienen vor der Zerstörungswut der Bewohner geschützt werden. Auch die reichliche Gabe von Ästen, Rinde, Stroh etc. hält die Tiere davon ab, ihre Behausung zu bearbeiten. Um eine möglichst einfache Reinigung der Käfigeinrichtung zu gewährleisten, empfiehlt es sich deshalb, die Etagen aus Glas oder Fliesen zu gestalten.
Wie wichtig es ist, alle Gegenstände der Käfigeinrichtung leicht reinigen zu können, wird man spätestens bei der ersten Reinigung bemerken. Urin und Kot der Hamster riechen intensiv und dringen in unbehandelte Oberflächen ein. Da Zwerghamster für ihre Größe verhältnismäßig viel Urin und Kot produzieren, ist eine 14-tägige Reinigung des Käfigs angebracht, um eine Geruchsbelästigung zu vermeiden. Hier sind glatte Oberflächen Gold wert und ersparen dem Halter viel Frust. Insbesondere unbehandeltes Holz nimmt den Urin gut auf und strömt auch nach intensivster Reinigung den typischen Hamstergeruch aus.
Die Einstreu
Als Käfigeinstreu für Zwerghamster hat sich handelsübliche Kleintierstreu bewährt. Ebenfalls geeignet sind unbehandelte Hobelspäne oder ungedüngte Blumenerde. Auch die im Handel erhältlichen Strohpellets sind geeignet, allerdings ermöglichen sie den Hamstern nicht, Gänge und Höhlen zu bauen.

Die Einstreu sollte in einer Dicke von mindestens 5 cm (besser 10 und mehr) eingebracht werden, da Zwerghamster gerne Gänge und Höhlen buddeln, wenn sie auch im Vergleich etwa zu Syrischen Goldhamstern nicht gerade zu den herausragenden Baumeistern gehören. Zusätzlich sollten Stroh und Heu angeboten werden, die von den Hamstern in ihre Wohnhöhle eingebracht werden können. Generell verzichten sollte man auf die so genannte Hamsterwatte, da schon manch kleiner Hamster sich in dieser Watte verfangen und ein Füßchen abgeschnürt hat. Besser geeignet als Polstermaterial für die Wohnhöhle sind neben Stroh und Heu auch Sisal- und Kokosfasern, wie sie Heimvögeln zu Nestbau angeboten werden.

Ausstattung
Ein Käfig, der Zwerghamstern eine tiergerechte Umgebung bietet, sollte neben der Mindestausstattung (stabile Futternäpfe für verschiedene Futtersorten, eine Trinkflasche und Unterschlupfmöglichkeiten in Form von Nagerhäuschen, halbierten Kokosnüssen oder Blumentöpfen o. ä.) durch weitere Einrichtungsgegenstände interessanter gestaltet werden:
  • Laufräder: Hier gehen die Meinungen auseinander. Während ein Teil der Halter Laufräder anbietet, lehnen andere diese ab. Meine Zwerghamster benutzen das Laufrad regelmäßig. Besonders die Roborowski-Zwerghamster laufen oftmals zu mehreren gemeinsam in einem Rad. Wichtig bei Laufrädern ist vor allem, dass sie geschlossen sind oder eine Ummantelung aus Sisal oder ähnlichem haben.
  •  Steine: Mit Steinen jeglicher Art kann man seinen Hamstern eine abwechslungsreiche Umgebung gestalten. Achten sollte man jedoch darauf, dass die Steine keine scharfen Kanten haben.
  •  Äste, Rindenstücke u. ä.: Sie dienen zum der Betätigung der Nagezähne und werden auch gerne als Versteck genutzt. Ein weiterer Vorteil ist, dass kostenlos jedermann zur Verfügung stehen und man als Zwerghamsterhalter beim Sammeln auch noch an der frischen Luft ist. Man sollte aber nur Äste sammeln, die nicht an dicht befahrenen Strassen liegen und keinerlei Verschmutzung durch Wildvogelkot aufweisen (Krankheitserreger).
  • Röhrensysteme: Hier bietet der Zoohandel eine reichhaltige Auswahl, die nach meiner Meinung oftmals aber ungeeignet ist. Nachteilig ist vor allem, dass die Systeme meistens aus Kunststoff sind und damit von den Tieren zernagt werden können (Vergiftungsgefahr!), außerdem ist bei längeren Systemen oft keine ausreichende Belüftung gewährleistet. Besser sind daher Tonröhren geeignet, die man in größeren Baufachmärkten erhalten kann. Ebenfalls empfehlenswert sind im Handel angebotenen Röhren aus Holz, bei denen man jedoch damit rechnen muss, dass die Hamster sie zum Fressen gern haben.
ERNÄHRUNG
Eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung stellt die Basis einer erfolgreichen Haltung dar.
Wenn man sich die im Zoofachhandel angebotenen Futtermischungen für Hamster anschaut, stellt man oftmals fest, dass sie zum Großteil aus Sonnenblumenkernen bestehen. Eine solche Futtermischung ist aber für Zwerghamster keineswegs geeignet. Das Grundfutter für Zwerghamster sollte vielmehr eine Vielzahl von Kleinsämereien, wie z. B. Hirse, Glanz (auch als Kanariensaat bezeichnet), Hafer (in geringen Mengen) und sonstigen Getreiden enthalten. Natürlich dürfen auch Kardi und Sonnenblumenkerne im Futter enthalten sein, wegen ihres hohen Fettanteils aber nur in geringen Mengen. Der große Anteil kleiner Saaten sorgt dafür, dass sich die Tiere lange mit dem Futter beschäftigen müssen, ehe sie satt sind. Der geringe Anteil an fetthaltigen Saaten beugt einer Verfettung der Tiere mit daraus resultierenden Folgen wie z. B. Leberschäden vor.
Obst und Gemüse
Zu einer ausgewogenen Ernährung gehört natürlich auch die Versorgung mit Vitaminen. Dazu werden im Handel viele teure Präparate mit teilweise zweifelhafter Zusammensetzung angeboten. Besser und natürlicher ist es, den Vitaminbedarf der Zwerghamster über die Gabe von Grünfutter zu decken. Dabei kann den Zwergen nahezu alles angeboten werden, was der Obst- und Gemüsehändler bietet. Besonders beliebt sind dabei meist die süßeren Obstsorten, z. B. Äpfel und Birnen, deren Verfütterung aufgrund des hohen Zuckeranteils jedoch nur eingeschränkt erfolgen sollte. Aber auch Weintrauben, Schlangengurke und Zucchini werden gerne gefressen. Vorsichtig sollte man bei der Gabe von Kohl sein, da dieser sehr bläht, was zu schweren Verdauungsproblemen führen kann. Komplett tabu ist Steinobst, da die Kerne Blausäure enthalten, die bei Hamster u. U. zum Tode führen kann. Wer dennoch Kirschen u. ä. verfüttern möchte, muss sie vorher unbedingt entkernen.

Zusatzfutter

Als weitere Nahrungsergänzung bietet sich vor allem Kolbenhirse an. Die meisten meiner Hamster lieben es, die einzelnen Körner aus den Hirserispen herauszuholen. Neben dem Ernährungsaspekt sind die Hamster auch zusätzlich beschäftigt. In der Erntezeit kann man das Futter auch durch Gabe von Getreideähren und Maiskolben ergänzen. Insbesondere halbreifer Mais stellt dabei einen Leckerbissen für die Tiere dar. Die gereichten Mengen sollten allerdings nicht zu groß sein, da es ansonsten zu Durchfall kommen kann. Wichtig ist auch, das Getreide vor der Verfütterung gründlich zu reinigen, um evtl. anhaftende Herbizid- bzw. Pestizidreste zu entfernen. Um den Bedarf an tierischem Eiweiß zu decken, den die Tiere insbesondere im Wachstum und während der Trächtigkeit haben, sollte man regelmäßig Insekten- und Eifutter oder Mehlwürmer verfüttern. Dies erhält man im Zoofachhandel im Bereich Ziervogelernährung. Mehr Bewegung verschafft man den Zwerghamstern natürlich durch das Verfüttern von Lebendfutter wie Heuschrecken, Grillen etc., die aber nicht von allen Hamstern gefressen werden.

Wasser
Zur richtigen Ernährung der Zwerghamster gehört auch die Gabe von Trinkwasser. Hierbei haben sich Trinkröhrchen bewährt, da diese nicht mit Einstreu zugescharrt werden können. Leider sind die Trinkröhrchen oftmals wahre Keimschleudern. Besonders wenn das Wasser mehrere Tage in den Röhrchen steht und evtl. zusätzlich der Sonne ausgesetzt ist, kann sich eine Vielzahl von Bakterien im Wasser vermehren. Deshalb sollte das Wasser alle 1-2 Tage ausgewechselt werden und die Röhrchen dabei mit heißem Wasser ausgespült werden.

ZUCHT
Die Zucht von Kurzschwänzigen Zwerghamstern gelingt meist ohne große Probleme. Ausnahmen sind jedoch oft Roborowski-Zwerghamster. Das Aufwachsen von jungen Hamstern zu beobachten ist äußerst interessant - verlangt aber auch viel Verantwortung vom Halter. Bevor Sie mit der Zucht beginnen, sollte geklärt sein, wer die Jungtiere abnimmt. Wichtig ist zu beachten, dass Zwerghamster ca. alle 30 Tage einen Wurf haben können. Es sollte deshalb sichergestellt sein, dass die Jungtiere auch regelmäßig und dauerhaft abgenommen werden.

Die Geschlechtsreife tritt bei Zwerghamstern im Alter von etwa einem Monat ein. Weibchen sind etwas früher geschlechtsreif als Männchen. Haben Sie ein harmonierendes Paar, lässt der Nachwuchs nicht lange auf sich warten. Sollten die Tiere jedoch nicht harmonieren und müssen einzeln gehalten werden, setzt man das Weibchen in regelmäßigen Abständen zum Männchen in den Käfig. Niemals sollte man umgekehrt vorgehen, da das Weibchen das Männchen in seinem Revier stets angreifen würde. Ist das Weibchen aufnahmebereit, wird es das Männchen akzeptieren. Man lässt nun beide Tiere über Nacht zusammen. Am nächsten Morgen oder bei den ersten Anzeichen von Aggression entfernt man das Weibchen. Nun wird das Weibchen im Abstand von 3 Tagen gewogen, um die Trächtigkeit feststellen zu können, wobei bei kleinen Würfen diese Methode allerdings versagen kann.

Besser ist es, nur solche Tiere zur Zucht anzusetzen, bei denen beide Paarpartner dauerhaft harmonieren. Nicht nur, dass das Beobachten des gemeinsamen Familienlebens einige kurzweilige Stunden mit sich bringt, die Verpaarung von friedlichen Tieren miteinander ist zusätzlich die beste Möglichkeit, friedvolle Stämme aufzubauen. Aggressive Tiere sollten deshalb nach Möglichkeit nicht in die Zucht gelangen.

Die Tragzeit der Zwerghamster beträgt lediglich ca. 18-19 Tage. Nach etwa zwei Wochen erkennt man beim Weibchen den deutlich gerundeten Bauch. Jetzt beginnt das Weibchen auch, ein Nest auszubauen, in dem es die Jungen zur Welt bringt. Die Geburt findet meist in den frühen Morgenstunden statt.
Die Entwicklung der Jungtiere
Die Jungtiere sind bei der Geburt nackt, blind und taub. Nach ca. 5-6 Tagen öffnen sich die Ohren und das Fell beginnt zu wachsen. Die Augen öffnen sich mit ca. 13-15 Tagen. Zu diesem Zeitpunkt fangen die Jungen auch an, ihr Nest zu verlassen und die nähere Umgebung zu erkunden. Dabei nehmen sie auch bereits erste feste Nahrung auf. Dennoch werden sie bis zu 20 Tage gesäugt. Nach vier bis fünf Wochen kann man die Jungen dann von den Eltern trennen. Dies ist oft erforderlich, weil bereits der nächste Wurf da ist.
Ernährung während der Zuchtperiode
In der Zeit der Trächtigkeit braucht das Weibchen vermehrt Eiweiße, Vitamine und Mineralien. Deshalb sollten Zuchttiere regelmäßig Hundetrockenfutter, Insektenfutter oder Mehlwürmer als Zusatzfutter erhalten. Dies gilt auch für die Phase der Jungenaufzucht, da auch die heranwachsenden Jungtiere viel Eiweiß benötigen. Geben Sie zusätzlich regelmäßig Kalk, der für das Knochenwachstum der Jungen unerlässlich ist.
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