Brillenblattnase

Brillenblattnase
Carollia perspicillata

Haltung - Fütterung - Zucht
Obwohl Fledermäuse in der Bevölkerung ein durchaus schlechtes Image haben, gibt es eine nicht unerhebliche Zahl von Fledermaus-freunden, die sich von den kleinen Säugern faszinieren lassen. Kein Wunder, sind Fledermäuse doch die einzigen Säuger, die über ein aktives Flugvermögen verfügen. Und noch etwas macht sie im Bereich der landlebenden Säugetiere einzigartig: Viele Arten orientieren sich über Ultraschalllaute, mit denen sie ihre Umgebung akustisch „ertasten“. Nur bei den größeren Flughunden ist die Ultraschallortung wenig verbreitet, lediglich bei der Gattung der Höhlenflughunde (Rousettus) ist sie nachgewiesen.

Für eine Haltung in Privathandkommen von den über 1000 Arten der Ordnung Chiroptera nur ganz wenige Arten  in Frage. Eine dieser Arten, die sowohl in Zoologischen Gärten als auch Privathand öfter anzutreffen ist, ist die Brillenblattnase (Carollia perspicillata).


Unterbringung
Meine Tiere werden in einem leeren Großraumterrarium, welches bisher für Tigerpythons (Python molurus bivittatus) genutzt wurde, gehalten. Dieses 5m x 3m x 2m (L x B x H) große Terrarium besteht aus Grobspannplatten (OSB-Platten) im Sandwichverfahren, dies gewährleistete eine optimale Wärmedämmung aufgrund der 10cm dicken Schicht Polystyrolschaumstoff  (Styropor) zwischen den Wänden. Durch eine große Frontscheibe kann ich Einsicht in das Terrarium nehmen, eine 1,80m hohe Tür gewährt Zutritt ins Gehege. Hier ist es kein Problem, eine konstante Temperatur von 25°C sicherzustellen, die die Fledermäuse für ihr Wohlbefinden benötigen. Fällt die Temperatur ab, sind die Fledermäuse deutlich weniger aktiv, bei Temperaturen unter 17°C fühlen sich diese sichtlich unwohl.
Zum Schlafen bevorzugen die Tiere den Ast einer Birke, den ich in der hinteren Ecke des Terrariums angebracht hatte. Die Tiere haben aber auch kein Problem, sich direkt an den Wänden des Geheges festzuhalten; die eigens an der Decke angebrachten Gitter haben sie hingegen bis heute nicht benutzt. Die weitere Einrichtung des Geheges besteht aus einer in 1,20m Höhe angebrachten Platte, die als Futterbrett dient. Um den Blattnasen möglichst viel Freiraum zu gewähren, habe ich auf sonstige Einrichtung zunächst verzichtet.

Geschlechtsbestimmung
Die beste Zeit zur Geschlechtsbestimmung ist die Säugezeit, die in den Monaten Mai – Juli und November – Dezember liegt , da das Weibchen dann an den Brustdrüsen leicht zu erkennen ist.  Ansonsten erfolgt die Bestimmung über die Genitalien. Zwar ist die Brillenblattnase eine durchaus gesellige Fledermausart, die in kleinen Gruppen von bis zu 100 Tieren lebt, für eine Zucht sollte sich die Zusammensetzung der Geschlechter die Waage halten.
Die Fütterung
Die Fütterung meiner Tiere erfolgt mit Bananen in unterschiedlichem Reifegrad und klein gewürfelte Kiwis. Zudem verfütterte ich auch Gurken, Paprika und Melonen sowie süße Äpfel. Während ich anfangs die Früchte in kleine Würfel geschnitten und in Schalen auf dem Futterbrett angeboten habe, bin ich nach einer Zeit dazu übergegangen, einen Teil des Futters an Seilen im Flugraum aufzuhängen, um so für mehr Beschäftigung zu sorgen.
Inzwischen reiche ich neben dem Futter, welches ich aufhänge, nur noch einen Futterbrei, der in zwei Schalen angeboten wird. Dieser Brei besteht aus püriertem Obst, dem ich ein wenig Honig sowie Lorinektar beimenge. Dieser Grundsubstanz mische ich täglich eine andere Zutat bei, um für Abwechslung zu sorgen. Einmal in der Woche gebe ich ein Ei hinzu, an einem anderen Tag gibt es ein wenig Rinderhack in den Futterbrei. Einmal wöchentlich wird zusätzlich Futterkalk in den Brei gegeben, an einem anderen Tag Honig. Auch das Angebot an Obst hat sich im Laufe der Zeit deutlich erweitert. So verfüttere ich heute auch Trauben, Apfelsinen und Ananas.

 Änderung der Haltung 
Im Laufe der Zeit habe ich die Haltungsbedingungen immer weiter verbessert, um den Brillenblattnasen optimale Bedingungen zu bieten. So habe ich von der Decke herabhängend jeweils zwei Bretter angebracht, die es den Tieren ermöglichen, sich dahinter zurückzuziehen und sich auch einmal zu separieren.

Die Raumtemperatur beträgt tagsüber 25°C, nachts fällt sie kurzzeitig auf 21°C ab. Die Steuerung erfolgt dabei über ein Thermostat, an welches ein Frostwächter angeschlossen ist. Um eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit zu gewährleisten, habe ich ein Wasserbecken eingebaut, welches die Tiere auch zum Trinken benutzen.

Durch das Bekleben der Frontscheibe mit einer nur durch eine Seite durchsichtigen Folie habe ich ein „Nachttierhaus“ geschaffen. Tagsüber beleuchten zwei LED-Strips in blau das Terrarium schwach, sodass die Brillenblattnasen aktiv sind, nachts wird das Gehege über acht weiße LED-Strips erleuchtet. Die Blattnasen ziehen sich dann zum Schlafen zurück.

Zucht
Um die Tiere zur Nachzucht zu bringen, habe ich deshalb die Männchen aus dem Gehege entfernt und erst nach einer Trennung von vier Wochen wieder ein Männchen zu den Weibchen hinzugesellt. Tatsächlich wurde ein Weibchen trächtig und es kam auch zur Geburt eines Jungtieres, welches ich aber leider nach wenigen Tagen verklammt auf dem Boden auffand. Ob es durch einen Unfall oder krankheitsbedingt herunter gefallen ist, konnte leider nicht nachvollzogen werden. Da ich das Jungtier noch lebend vorgefunden habe, versuchte ich eine Handaufzucht, diese misslang jedoch. Nun bleibt nur die Hoffnung, dass es zu einer erneuten Geburt kommt und diesmal die Aufzucht durch die Mutter klappt.
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