Andersons Rennmaus

Anderson-Rennmaus
Gerbillus andersoni

Haltung - Fütterung - Zucht
Als ich vor einigen Jahren in einem Buch von METTLER (1996) das Bild einer Andersons Wüstenrenmmaus erblickte, war mein Interesse geweckt. Bis zu diesem Zeitpunkt pflegte ich schwerpunktmäßig Rennmäuse der Gattung Meriones, aber dieser Vertreter der Echten Rennmäuse (Gerbillus) faszinierte mich sofort. Vor allem die dunkelbraune Rückenfärbung, die einen deutlichen Kontrast zur weißen Färbung der Unterseite bildete sowie die großen Augen gefielen mir. Also setzte ich alles daran, diese Tiere zu erhalten. Nach einigen eMails und zahlreichen Telefonaten bot mir ein niederländischer Händler Gerbillus andersoni an. Als Übergabeort wurde die ExoticAnimal in Hamm ausgemacht, wo ich die beiden Tiere (ein Paar) dann auch in Empfang nehmen konnte.
Sie glichen dem Tier auf der Abbildung exakt und ich war überglücklich, meine Wunschrennmäuse erhalten zu haben. Zuhause angekommen zeigte sich, dass die Tiere extrem panisch, ja fast dummscheu waren. Sobald man in das Gehege herein griff, stoben sie hektisch in alle Ecken davon. Dieses Verhalten erstaunte mich, hatte ich doch bisher immer gehört, dass G. andersoni eine eher ruhige Art sei. Noch mehr erstaunte mich allerdings, dass meine Tier sich im Laufe der nächsten Wochen deutlich veränderten. Sie wuchsen auf eine Körperlänge von 11 cm an und auch ihre Fellfärbung veränderte sich. Die dunkelbraune Färbung des Rückenfells wich einer rötlich-braunen Färbung. Auch die Form des Kopfes änderte sich und wirkte jetzt lang gezogen und spitz. Offensichtlich hatte es sich bei meinen Tieren um Jungtiere gehandelt, die mit der Geschlechtsreife einen deutlichen Wandel vollzogen.

Sofort begann ich, alle verfügbare Literatur zu durchforsten, konnte aber zunächst nichts finden, was diese Phänomen erklären konnte. Inzwischen hatten meine Tiere Nachwuchs bekommen und auch dieser zeigte diesen deutlichen Wandel zwischen Juvenil- und Adultstadium. Literaturrecherchen ergaben, dass es sich bei meinen Tieren nicht um Gerbillus andersoni, sondern um Gerbillus pyramidum handelte. Auch alle weiteren Tiere bei anderen Haltern, die ursprünglich als G. andersoni bestimmt worden waren, konnte letztlich als G. pyramidum bestimmt werden. Sollte es also keine Andersons Rennmaus in Europa geben.


Weitere Recherchen
Ausführliche Literaturrecherchen ergaben recht schnell, warum ich bisher ohne Erfolg nach G. andersoni gesucht hatte, denn tatsächlich waren alle in der mir zunächst zugänglichen Literatur und im Internet abgebildeten Tiere in Wirklichkeit G. pyramidum. Die dunkelbraune Färbung ist typisch für diese Art, G. andersoni hingegen ist hell gelbbraun bis rötlichgelb gefärbt, wobei dass Fell anders als bei G. pyramidum nicht eng anliegend und fest, sondern eher locker wirkt. Betrachtet man die Haare von Andersons Rennmaus genauer, erkennt man, dass sie im Bereich des Rücken eine breite graue Basis besitzen, der ein sandfarbenes Band folgt. Am oberen Ende der Haare befindet sich eine schwarze Spitze, die aber nur gering ausgeprägt ist. Im Bereich der Schwanzwurzel ist ein Bereich ausgeprägt, an dem die Basis der Haare weiß statt grau ist. Die Bauchseite von G. andersoni ist reinweiß, die Ausdehnung der weißen Farbe geht bis zu den Unterlippen bzw. dem After. Eingeschlossen sind die kompletten Vorderbeine sowie die Innenseite der Hinterbeine und die Fußsohlen. Die Grenze zwischen Rücken- und Bauchfärbung ist deutlich und scharf abgetrennt. Unter Augen und Ohren befindet sich ein weißer Fleck, zudem sind die Augen leicht schwarz umrandet.

Der Schwanz von Andersons Rennmaus ist komplett mit kurzen Haaren bedeckt und besitzt eine nur dürftig ausgeprägte Quaste. Von G. gerbillus lässt sich G. andersoni durch die längeren Ohren unterscheiden, die mindestens so lang wie die Hälfte der Hinterfüße sind.

Mit einer Gesamtlänge von ca. 23 cm bei einer Schwanzlänge von knapp 13 cm zählt G. andersoni zu den mittelgroßen Gerbillusarten, G. pyramidum erreicht hingegen eine Gesamtlänge von bis zu 25 cm, wovon 14 cm auf den Schwanz entfallen.
Lebensweise
Andersons Rennmaus lebt bevorzugt auf sandigem Untergrund und wird vor allem in sandigen, nur spärlich bewachsenen Wadis gefunden. Die Eingänge zu den Bauen sind meist unter Büschen, in Einzelfällen auch unter größeren Felsen und haben einen Durchmesser von 3–4 Zentimetern. Teilweise wird der Eingang zum Bau tagsüber mit Sand verschlossen, was sowohl dem Schutz vor der Sonne, als auch vor Fressfeinden dient. Ihren Lebensraum teilen sich Andersons Rennmäuse mit einigen anderen Rennmausarten, u. a. G. allenbyi, G. gerbillus, G. dasyurus sowie Meriones crassus und M. tristrami.
Erste Haltungserfahrungen
Nachdem ich nun endlich wusste, wonach ich eigentlich suchte, nahm ich Kontakt zu verschiedensten Rennmaushaltern auf, um endlich "echte" G. andersoni zu erwerben. Nach längerer Suche konnte ich von einem Mitglied der BAG Kleinsäuger 2008 meine ersten Andersons Rennmäuse erwerben. Schon der erste Blick auf die Tiere machte deutlich, dass sie vom Aussehen mit G. pyramidum nicht das Geringste gemeinsam haben. Auch im Verhalten unterscheiden sie sich deutlich. Ist G. pyramidum extrem panisch, so sind meine G. andersoni eher ruhig, bleiben aber zurückhaltend und sind bisher nicht so zutraulich, wie z. B. meine G. gerbillus. Unbedingt erforderlich ist für die Tiere ein Sandbad, da das sehr lockere Fell sonst extrem schnell verfettet, was nicht nur unansehnlich ausschaut, sondern auch die Gefahr von Erkältungskrankheiten erhöht.
Bei der Ernährung orientiere ich mich an der Erfahrung mit anderen Gerbillus-Arten und reiche eine Mischung aus Wellensittichfutter und Grassamen, dem ein wenig Kanarienfutter untergemischt wird. Daneben erhalten die Tiere Wurzelgemüse und tierisches Eiweiß in Form von Heimchen und Heuschrecken. Dabei zeigt sich, dass zumindest meine Tiere deutlich stärker an Lebendfutter interessiert sind, als G. gerbillus. Wasser steht meinen Tieren über eine Nippeltränke ständig zur Verfügung, wird aber nur selten angenommen.

Fazit
Die Suche nach G. andersoni hat mir sehr deutlich gezeigt, wie wichtig die Recherche in einschlägiger Fachliteratur ist. Gerade bei Rennmäusen existiert eine Vielzahl an Trivialnamen für eine Art, was oftmals zu erheblicher Verwirrung führt. Da die Arten teilweise untereinander fruchtbar sind, ist es umso wichtiger, die jeweilige Art exakt zu bestimmen, um die Bestände langfristig zu sichern, zumal bei den meisten Arten kaum noch mit Importen zu rechnen ist.


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