Akazienratten

Akazienratten
Thallomys paedulcus

Haltung - Fütterung - Zucht
Akazienratten sind als Heimtiere trotz mancher Probleme (s. u.) etabliert, was sicher auch daran liegt, dass ihre Haltung und Zucht recht problemlos ist. Ein Gehege mit den Maßen 100x50x150cm reicht aus, um eine Gruppe von 4-6 Tieren zu pflegen. Dabei sollte die Einrichtung aus zahlreichen Ästen bestehen, da Akazienratten extrem gute Kletterer sind. Als Unterschlupf können sowohl Vogelnistkästen (z.B. für Wellensittiche) als auch Häuschen am Boden angeboten werden, wobei erhöht angebrachte Rückzugsmöglichkeiten meist bevorzugt werden.
Als Futter hat sich Wellensittichfutter bewährt, welches durch Obst ergänzt wird. Gemüse wird nicht von allen Tieren genommen, sollte aber immer wieder einmal angeboten werden. Zusätzlich sollten Akazienratten regelmäßig tierisches Eiweiß erhalten. Hier kann man je nach persönlichen Vorlieben Lebendfutter in Form von Mehlwürmern, Heimchen oder Heuschrecken verfüttern oder aber auch entsprechende Ergänzungsfuttermittel aus dem Zoofachhandel zurückgreifen, beispielsweise Eifutter.

Die ideale Temperatur für Akazienratten liegt im Bereich der normalen Zimmertemperatur, dennoch habe sich bei mir einzelne Wärmespots bewährt, die von den Tieren gerne aufgesucht werden. Ebenso stelle ich meinen Akazienratten UV-Licht zur Verfügung, in Form einer UV-Lampe aus dem Terraristikbereich, welche jeden Tag zwei Mal jeweils eine halbe Stunde an ist. Nicht selten sitzen die Tiere bereits unter der Lampe, kurz bevor diese angeht

Nachzucht
Hält man Akazienratten in gemischtgeschlechtlichen Gruppen, lässt sich die Nachzucht kaum verhindern. Nach einer Tragzeit von etwa 24 tagen werden zwei bis vier nackte Jungtiere geboren. Eine Besonderheit ist der Transport der Jungtiere bei Störungen im Nestbereich. Diese werden nicht im Maul, sondern an den Zitzen hängen durch das Gehege transportiert, ein durchaus ungewöhnlicher Anblick. Mit sechs bis sieben Wochen sind die Jungtiere komplett selbstständig und um die zehnte Woche herum geschlechtsreif, wobei ersten Würfe selten von Tieren, die jünger als ein halbes Jahr sind, erfolgen.

Die Akazienratte –  vom Wildtier zum Heimtier
Ende der 1990er-jahre wurden die ersten Tiere durch den badischen Importeur Tropic Fauna (damals noch in Hechingen) eingeführt, wo auch ich sie das erste mal lebend sah. Damals war lediglich noch ein einziges Exemplar vorhanden, weshalb ich vom Kauf absah und stattdessen die ebenfalls im selben Transport miteingeführten Akazienmäuse (Grammomys spec.) erwarb. Aber die interessanten Nager mit den markanten Augenringen blieben mir im Gedächtnis und als beim nächsten Import wieder Tiere dabei waren, machte ich mich auf die Fahrt Richtung Hechingen, um meine ersten Paare zu erwerben. Dabei fiel mir die enorme Variabilität der Tiere auf, bei denen nicht alle die schwarze Augenzeichnung intensiv zeigten, einige Tiere hatten diese lediglich angedeutet, während andere fast wie Panzerknacker daher kamen. Da zu diesem Zeitpunkt über diese baumbewohnenden Nager nur wenig bekannt war, begann nun ein intensives Literaturstudium, in dessen Verlauf sich herausstellte, dass wahrscheinlich zwei unterschiedliche Arten importiert worden waren, einmal Thallomys nigricauda sowie Thallomys paedulcus. Untere letzterem Namen wurden die importierten Tiere vermarktet, spätere Untersuchungen zeigten aber, dass es sich oftmals tatsächlich um T. nigricauda gehandelt hatte. Da eine Bestimmung alleine anhand äußerer Merkmale kaum möglich ist, ist anzunehmen, dass beide Arten, die in Tansania teilweise denselben Lebensraum bevölkern, nach Deutschland eingeführt wurden und dort wahrscheinlich auch unwissentlich miteinander vermischt wurden. Ob es heute noch artenreine Tiere in Liebhaberhänden gibt, ist nicht sicher, darf aber zumindest stark bezweifelt werden. Sicher ist jedoch, dass die zwei anderen Arten der Gattung Thallomys, nämlich Thallomys loringi sowie T. shortridgei nicht und wenn doch, dann nicht in nennenswerter Zahl eingeführt wurden.
Die aparten Baumbewohner fanden aufgrund ihrer interessanten Färbung, die ein wenig an Baumschläfer erinnert, schnell eine große Fangemeinde, sodass man an nahezu jeder Ecke auf sie traf. Selbst im nicht spezialisierten Zoofachhandel wurden die Tiere angeboten, teilweise unter Phantasienamen. Und tatsächlich erwiesen sich die Ratten als dankbare Pfleglinge, die sich problemlos in Gruppen halten und züchten ließen. 
Die ersten Mutationen
Noch beliebter wurden die Akazienratten, als die ersten Farbformen auftraten. Dabei muss allerdings gesagt werden, dass nahezu alle Farbformen bereits bei den importierten Tieren zu finden waren, d. h. dass sie auch in der Natur in mehr oder weniger großer Individuenzahl vorkommen. Die auffälligste Farbform waren die gescheckten Akazienratten, von denen einige Exemplare bereits beim zweiten Import dabei waren. Diese wiesen jedoch nur sehr kleine weiße Farbfelder auf und fielen daher auf den ersten Blick kaum auf. Durch gezielte Zucht gelang es innerhalb kürzester Zeit gescheckte Akazienratten zu züchten, die zu 50% weiß waren. Vor allem diese hellen Schecken waren sehr beliebt und dementsprechend gefragt.

Eine weitere Farbform, die ebenfalls in der Natur vorzukommen scheint, sind die pastellfarbenen Akazienratten. Diese sind deutlich heller gezeichnet als „normale“ wildfarbene Tiere und weisen einen Augenring auf, der statt schwarz bräunlich ist. Auch "goldfarbene" Tiere waren unter den Importieren zu finden, deren Rücken nicht grau sondern goldfarben war. Leider ist bis heute nicht geklärt, ob diese hohe Variabilität in der Färbung auf unterschiedliche Arten oder auf eine große natürliche Variabilität der Art zurückgeht.
Wie dem auch sei, nahezu jeder Kleinsäugerhalter mit einen größeren Bestand nannte innerhalb kürzester Zeit Akazienratten sein eigen und da die Zucht problemlos gelangt, waren die Tiere leicht verfügbar und auch preislich erschwinglich.
Der große Bruch
Leider ereilte die Akazienratten das Schicksal, welches schon viele andere Arten vor ihnen erleiden mussten. Von heute auf morgen trennten sich viele Züchter von den nun nicht mehr gewinnbringend nachzuzüchtenden Tieren und innerhalb kürzester Zeit verschwanden sie fast vollständig vom deutschen Markt. Nur einigen wenigen Züchtern und vor allem dem den Kleinsäugern besonders zugewandten Zoo in Pilsen ist es zu verdanken, dass heute noch Akazienratten in deutschen Beständen vorhanden sind.

Dieses Beispiel sollte uns zu denken geben. In Zeiten, in denen unser Hobby immer stärker unter Beschuss gerät, ist die Abgabe von Arten, weil sie nicht mehr „rentabel“ sind, Wasser auf die Mühlen unserer Gegner. Zu Recht können sie uns vorwerfen, dass es uns nicht um die Tiere selber, sondern um einen möglichen Profit geht. Wer genauer hinsieht wird zwar erkennen, dass sich mit der Zucht von Kleinsäugern wohl kaum ein gewinn erzielen lässt, aber so genau schauen Tierrechtler nun einmal nicht hin. Aber auch so ist es bedauerlich, dass bei vielen Arten zu wenig Wert auf Kontinuität gelegt wird. Sicherlich, jede Halter möchte auch einmal die Haltung einer neuen Art versuchen, dennoch sollten wir darauf achten, dass vorhandene Arten weiter nachgezüchtet werden, zumal mit neuen Importen nicht mehr zu rechnen ist. Aus diesem Grund wäre es sinnvoll, wenn Organisationen wie die Bundesarbeitsgruppe Kleinsäuger (BAG) e.V. anhand ihrer Bestandsdaten der Mitglieder stärker darauf achten würde, dass bestimmte Arten nicht aus dem Fokus verschwinden. Dies kann aber nur gelingen, wenn sich mehr Halter organisieren, denn gerade die hohe Individualität innerhalb der Szene birgt eine Gefahr, dass Arten aus den Beständen verloren gehen. Dies mag ein natürlicher Prozess sein, der auch in anderen Bereichen wie der Terraristik immer wieder vorkommt, gut heißen muss man ihn deshalb aber nicht. Gerade in Zeiten, in denen keine oder kaum noch Importe nach Deutschland gelangen ist es wichtig, alles dafür zu tun, die vorhandenen Arten in den Beständen zu erhalten, wollen wir nicht eines Tages nur noch Mongolische Rennmäuse (Meriones unguiculatus) oder Zwerghamster (Phodophus spec.) pflegen. Denn gerade in der Artenvielfalt liegt doch ein Reiz unseres Hobbys.
Fazit
Die Akazienratte ist ein faszinierender Nager, der nicht alleine durch seine vielen Farbformen mehr Liebhaber verdient. Wollen wir hoffen, dass sie noch lange in unseren beständen zu finden ist – letztlich liegt es nur an uns.

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